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Friedensdorf führt 72. Hilfseinsatz in Afghanistan durch

Dinslaken (ots) - "Der Lebenswille und die Stärke der Kinder sind beeindruckend, wenn man bedenkt unter welch schwierigen Bedingungen sie aufwachsen. Viele spielen nur innerhalb der Wohnung, weil ihre Eltern sich fürchten, sie nach draußen zu lassen", berichten Maria Tinnefeld und Kevin Dahlbruch vom Friedensdorf. Die beiden treffen gemeinsam mit den Partnern des Afghanischen Roten Halbmonds in diesen Tagen die letzten Vorbereitungen für den 72. Afghanistan-Hilfseinsatz.

Deutlich weniger Kinder als sonst sind ihnen vorgestellt worden, um eine medizinische Behandlung in Deutschland zu erbitten. Vor allem aus dem Norden Afghanistans kamen kaum welche. Die prekäre Sicherheitslage macht es vielen Familien schwer, nach Kabul durchzukommen, wo die Auswahl der Kinder stattfindet. "Es wäre fatal anzunehmen, die niedrigeren Kinderzahlen hätten etwas mit einer Verbesserung der medizinischen Situation zu tun", schildern die beiden Friedensdorf-Mitarbeiter, die seit vielen Jahren regelmäßig in das Land am Hindukusch fliegen.

Afghanistan rückte in den letzten Tagen wieder in die Schlagzeilen, weil Selbstmordattentäter erneut Anschläge verübten. Das Ergebnis dieser neuerlichen Machtdemonstration der Taliban sind über 50 auch zivile Opfer, wie Medien berichten.

Die Wahrheit ist, dass dies schon seit vielen Jahren in Afghanistan so geht. Bloß schaffen es diese Nachrichten immer seltener auf die Titelseiten, die voll sind mit anderen weltpolitischen Problemen wie Griechenlands Schuldenkrise oder den nicht abreißenden Flüchtlingsströmen aus Syrien, Pakistan und anderen Ländern.

Für die Menschen in und um Kabul sind Anschläge wie in den letzten Tagen fast zum Alltag geworden, ob diese nun in den Medien erwähnt werden oder nicht. Die Afghanen meistern ihr Leben. Den Widrigkeiten des Alltags begegnen sie mit Pragmatismus. Der fehlenden Möglichkeit, weit in die Zukunft zu planen, setzen sie den unbändigen Willen entgegen, im Hier und Heute das scheinbar Unmögliche zu schaffen. "Die Familien entwickeln einen unglaublichen Kampfgeist - und zwar nicht im militärischen Sinn", betonen die Friedensdörfler. Begegnungen mit ehemaligen Patienten untermauern ihre Aussage. Manche verletzten Kinder von damals sind heute selbst Mütter oder Väter, Chemielehrer, IT-Experten, Taxifahrer, Krankenschwestern oder Schreiner. Sie haben ihre Chance genutzt.

Anderen steht diese Herausforderung noch bevor. Für einige Kinder hat das Friedensdorf Zusagen erteilt und hofft nun, dass auch die letzten Visa ohne Ausnahme ausgestellt werden. Die umfangreichen bürokratischen Anforderungen konnten auch dieses Mal nur mit großem Aufwand und mit der zuverlässigen Unterstützung der Partner des Afghanischen Roten Halbmondes bewältigt werden. Wenn alles gut geht, werden die Mädchen und Jungen am Mittwoch (19.08.) mit einem Charterflugzeug nach Deutschland gebracht. Mit ihnen reisen dann wie gewohnt auch Kinder aus Zentralasien und dem Kaukasus.

Drei Tage später geht es in umgekehrter Richtung für diejenigen Kinder heimwärts, deren Behandlungen bereits abgeschlossen sind. Ihre Aufgabe ist es dann, ihre zweite Chance in einem Land zu nutzen, dessen Hoffnung auch auf ihnen ruht - der Jugend.

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