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Red Hands Day: World Vision fordert mehr politischen Willen seitens afrikanischer Regierungen

    FRIEDRICHSDORF, 10. Februar 2006 - (ots) - Kindersoldaten: Wiedereingliederung in die Familien hat oberste Priorität

    Uganda, Kongo, Sudan, Angola, Elfenbeinküste - die Liste der afrikanischen Länder, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, ist lang. Vor dem Hintergrund des diesjährigen Red Hands Day am 12. Februar fordert World Vision mehr politischen Willen gerade auch seitens afrikanischer Regierungen, um endlich den Missbrauch von Kindern als Soldaten zu beenden. "Letztendlich können wir, die Nichtregierungsorganisationen, nicht alle Probleme lösen. Wir setzen uns jedoch sehr dafür ein, dass Menschen lernen, ihre Konflikte friedlich zu lösen", sagt World Visions Kindersoldaten-Experte Kurt Bangert.

    Bei der Arbeit mit Kindersoldaten hat nach Bangerts Auskunft die Wiedereingliederung in die Gesellschaft oberste Priorität für World Vision. "Oftmals wurden die Familien zerstört, sind nicht mehr auffindbar, oder die Eltern wollen ihre Kinder nicht wieder zurücknehmen, weil die Kinder in ihren Augen zu Tätern geworden sind", erklärt Bangert. In Uganda betreut World Vision ehemalige Kindersoldaten zunächst medizinisch und psychologisch, um dann bei der Wiedereingliederung zu helfen. Im Südsudan beginnt mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in diesem Monat ein Programm, das Dorfgemeinschaften auf die Reintegration von Kindersoldaten vorbereitet. "Aber wir sind teilweise machtlos, was die politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Probleme betrifft", sagt Bangert.

    Als Beispiel führt er Uganda an: "Der fast zwanzigjährige Konflikt in Nord-Uganda hat nie wirklich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erreicht. Hier werden friedliebende Bürger beraubt, verstümmelt und abgeschlachtet. Kinder ab sieben Jahren werden entführt, zu Soldaten ausgebildet und zum Töten gezwungen." Die Weltgemeinschaft habe sich bisher zu sehr darauf verlassen, dass es der ugandischen Regierung irgendwann gelänge, eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu erreichen. Das Engagement vieler Länder hält Bangert für ungenügend: "Leider werden viele Lippenbekennt¬nisse abgegeben, aber die Bereitschaft, sich über eine zurückhaltende Diplomatie hinaus noch stärker zu engagieren, ist doch sehr gering."

    Gleichzeitig begrüßt Bangert die wachsende Bereitschaft des Amtes der Humanitären Hilfe der Europäischen Union (ECHO) und des Auswärtigen Amtes, sich der Problematik der Kindersoldaten anzunehmen und Projekte finanziell zu unterstützen. "Ohne die Hilfe unserer Partner in Brüssel und Berlin müssten wir viele unserer Projekte im Sudan und in Uganda stoppen. Für die Zukunft der Kinder wäre dies fatal", sagt Bangert. Von der internationalen Gemeinschaft erwartet er, dass sie den Einsatz von Kindersoldaten auch dort bekämpft, wo für den Westen nicht nur sicherheitspolitische oder wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen.

    Der Red Hands Day erinnert an den 12. Februar 2002, an dem ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention in Kraft trat. Es verbietet den Militäreinsatz von unter 18-Jährigen. Die Bundesregierung hat das Protokoll zwar unterschrieben, aber nicht ratifiziert. Auch der UN-Sicherheitsrat hat mehrere Resolutionen dazu verabschiedet; konkrete Sanktionen gegen Länder, die Kindersoldaten einsetzen, gibt es nicht.

    HINTERGRUND WORLD VISION Deutschland e.V. ist ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk mit den Arbeitsschwerpunkten langfristige Entwicklungshilfe und humanitäre Nothilfe. Rund 200 Projekte werden momentan in 46 Ländern durchgeführt. WORLD VISION Deutschland ist Teil der weltweiten WORLD VISION-Partnerschaft mit rund 20.000 Mitarbeitern in fast 100 Ländern. WORLD VISION unterhält offizielle Arbeitsbeziehungen zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und arbeitet eng mit dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) zusammen. Weitere Infos unter www.worldvision.de

Ein Interview mit Kurt Bangert zum Thema Kindersoldaten ("Wir können nicht alle Probleme lösen.") und Bildmaterial erhalten Sie auf Anfrage bei der Pressestelle: 06172-763-151.

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