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25.03.2004 – 08:00

CARE Deutschland e.V.

Die Kosten unterlassener Hilfe für Afghanistan

Ein Dokument

Bonn/Berlin (ots)

Vor der Geberkonferenz in Berlin: Gemeinsamer Bericht von CARE und
CIC fordert internationale Akteure auf, mehr in die Verbesserung der
Sicherheitslage und den Wiederaufbau am Hindukusch zu investieren.
In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die internationale
Hilfsorganisation CARE und das Center on International Cooperation
(CIC) die internationale Gemeinschaft auf, deutlich mehr als bisher
in die Sicherheit und den Wiederaufbau Afghanistans zu investieren.
Das im Vorfeld der Berliner Geberkonferenz veröffentlichte Statement
"The Cost of Doing Too Little" nennt vier Schritte, um die
Krisenregion in den kommenden Jahren zu stabilisieren:
1.  Eine Handlungsempfehlung betrifft die Eindämmung der mit dem
Opiumhandel verbundenen, rasant zunehmenden Gewalt. "Langfristige
Erfolge hängen vor allem davon ab, afghanischen Familien zu helfen,
ihr Einkommen mit legalen Mitteln zu steigern", stellt der Bericht
fest. In Afghanistan werden mittlerweile 75 Prozent der weltweiten
Opiumproduktion angebaut. Vor dem Sturz des Taliban-Regimes waren es
noch 12 Prozent.
2.  Der Bericht, der Geberländern und internationalen
Finanzinstitutionen auf der Konferenz in Berlin präsentiert werden
soll, drängt die internationale Gemeinschaft außerdem, der
afghanischen Forderung zuzustimmen, 27,5 Milliarden US-Dollar für den
Wiederaufbau des Landes in den nächsten sieben Jahren bereit zu
stellen.
3.  Darüber hinaus appellieren CARE und CIC an die NATO und die
Koalitionsstreitkräfte, ihre Anstrengungen stärker darauf zu
konzentrieren, die Sicherheitskräfte des Landes auszubauen,
einheimische Polizisten und Streitkräfte zu trainieren.
4.  Die vierte Forderung ruft Geberregierungen und
Finanzinstitutionen dazu auf, die Finanzierungslücke für den
Wiederaufbau zu schließen, indem sie neue, mehrjährige Verplichtungen
auf der Konferenz vom 31. März bis 1. April eingehen.
Das Positionspapier betont die Wichtigkeit angemessener Ressourcen
zur Beendigung der Gewalt: "Der Mangel an Sicherheit wird den
Wiederaufbau weiter verlangsamen und das Vertrauen in die Regierung
untergraben. Er wird die Ausweitung der Mohnproduktion und anderer
krimineller Geschäfte erleichtern und für terroristische Elemente
günstigere Handlungsspielräume in Afghanistan und seinen
Grenzgebieten schaffen."
Der Report schreibt die schlechte Sicherheitslage vor allem der
fortgesetzten Aktivität der Taliban, des Al-Kaida-Terrornetzes und
ihnen nahe stehender Gruppen zu. Auch regionale Kommandeure, die sich
der Kontrolle durch die Zentralregierung entzögen, und Konflikte
zwischen rivalisierenden Warlords und bewaffneten Banden verschärften
das Sicherheitsvakuum in weiten Teilen des Landes.
"Lokale Rivalitäten werden zunehmend durch den wuchernden
Drogenhandel angeheizt", nennt der Bericht einen Grund für die
wachsende Zahl gewaltsamer Übergriffe. Zusätzlich zur täglichen
Gewalt gegen die Bevölkerung käme ein dramatischer Anstieg der Gewalt
gegen humanitäre Helfer. In nur drei Wochen, zwischen dem 14. Februar
und 6. März 2004, seien elf Helfer bei vier Überfällen ermordet
worden - fast so viele wie im gesamten Jahr 2003.
Ohne ausreichende Mittel von internationalen Gebern, so die
Studie, sei der Kampf der afghanischen Regierung gegen das Opium
praktisch aussichtslos. Der durchschnittliche Jahresverdienst eines
Mohnbauers betrage 2.520 US-Dollar, der anderer Kleinbauern lediglich
670 Dollar. Ein Hilfsarbeiter verdiene im Schnitt täglich 6,77 Dollar
für die Opiumernte, in der Weizenernte dagegen nur 3,01 Dollar.
"Wenn diese illegalen Geschäfte nicht zurückgedrängt und
Regierungsinstitutionen nicht gestärkt werden, wird die kriminelle
Wirtschaft eine Bedrohung bleiben, deren Auslöschung sich die
internationale Gemeinschaft in Afghanistan vorgenommen hat", schließt
der Bericht. "Die langfristigen Kosten der Versäumnisse in
Afghanistan werden die kurz- bis mittelfristige Kosten für höhere
Investitionen in den Wiederaufbau und die Friedenssicherung bei
weitem übersteigen."
CARE-Experten zur Berliner Geberkonferenz für Afghanistan:
Paul O'Brien, Afghanistan Advocacy Coordinator (englisch)
   Kevin Henry, CARE International Advocacy Director (englisch)
Für Rückfragen und die Vermittlung von Interviewpartnern:
Christina Heitmann, 
Pressesprecherin CARE Deutschland, 
Tel. +49 22897563-23, 
mobil +49 (0)170 2046339, 
heitmann@care.de
Christian Worms, 
Online-Redaktion, 
Tel. +49 228 97563-13, 
mobil +49(0)163 6250466

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