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05.06.2003 – 09:04

CARE Deutschland e.V.

Kosovo: Vier Jahre Frieden - das Trauma bleibt

    Bonn/Pristina (ots)

Am 10. Juni jährt sich der Fall der letzten
NATO-Bomben und damit der Untergang Slobodan Milosevic im Kosovo zum
vierten Mal. Der Weg zu Versöhnung und Gleichberechtigung in der
Provinz jedoch ist noch lang.
    
    Am 10. Juni 1999 fiel die letzte NATO-Bombe im Kosovo und mit ihr
die Politik der Unterdrückung durch Slobodan Milosevic. Albanische
Flüchtlinge kehrten in ihr verwüstetes Land zurück. Serben verließen
Kosovo aus Angst vor der albanischen Rache. Heute, vier Jahre nach
dem Konflikt, werden die serbischen Flüchtlinge unter Schutz der KFOR
in ihre alten Dörfer zurückgeführt - ein Prozess, der schwieriger
ist, als von der vorübergehenden UNO-Verwaltung vermutet. "Die
Rückführung serbischer Minderheiten in das Kosovo braucht Zeit, um zu
gelingen", sagt Bujar Hoxha, Projektleiter der Hilfsorganisation CARE
im Pristina. "Kriegstraumen und Mißtrauen sitzen bei beiden Völkern
immer noch zu tief, um problemlos wieder Tür an Tür zu leben. Beide
Volksgruppen brauchen eine gezielte Vorbereitung und neutrale
Moderation, die nicht militärisch anmutet, um sich miteinander zu
arrangieren." Erschwerendes Konfliktpotenzial bieten bei diesem
Prozess die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit von über 70 Prozent sowie
eine nur langsame Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen. Die
Bewohner des Kosovo leben derzeit vorwiegend von den Überweisungen
der in Deutschland und der Schweiz arbeitenden Familienangehörigen.
Wer hier niemanden hat, ist auf sich allein gestellt.
    
    "Auch wenn es im Kosovo derzeit keine akute militärische Bedrohung
gibt, braucht die Provinz weiterhin massive Unterstützung bei dem
Aufbau ziviler, demokratischer  und wirtschaftlicher Strukturen sowie
bei der Überwindung von Hass und Gewalt", sagt Manuela Roßbach,
Geschäftsführerin von CARE Deutschland. "Private Hilfsorganisationen
wirken hier als wichtige Mediatoren und Katalysatoren."
    
    CARE arbeitet in multi-ethnischen Dorfgemeinden für eine
friedliche Wiedereingliederung von Minderheiten und zurückkehrenden
Flüchtlingen. Als neutraler Moderator bringt die Organisation Roma,
Serben und Albaner an einen Tisch und initiiert gemeinsame
Dorfaktionen, die die Lebenssituation aller verbessern und Mißtrauen
abbauen helfen. So beispielsweise in Berivojcé. 1200 Albaner, 800
Serben und 300 Roma leben hier Tür an Tür. Mit CARE verständigten sie
sich erstmals über gemeinsame Ziele und Prioritäten des Dorfaufbaus.
Erstes Ergebnis ist der Bau einer Brücke unter Arbeitseinsatz aller
Bewohner. "Serben, Roma und Albaner haben erstmals wieder gemeinsam
Stein auf Stein gesetzt", sagt Zoran Jeftic Vertreter der Serben des
Dorfes. "Die Brücke ist für uns ein Symbol des Friedens geworden. Sie
zeigt, dass wir nur gemeinsam weiterkommen", so Bekim Leci, Sprecher
der albanischen Mehrheit.
    
    Die größte Unterstützung bei der Überwindung von Hass und Gewalt
brauchen im Kosovo jedoch weiterhin die Kinder. Noch immer leiden
viele von ihnen an posttraumatischen Symptomen wie Bettnässen,
Alpträume, Ängstzustände, extreme Agression, Apathie oder Rückzug in
die soziale Isolation. "Werden diese Kinder mit ihren seelischen
Verletzungen alleine gelassen, ist es schwer den Kreislauf von
Gewalt, Hass und Ausgrenzung im Kosovo zukünftig zu durchbrechen",
sagt Lulezim Arapi, Psychologe und Leiter der kosovarischen CARE-
Partnerorganisation SHNPFF. Seit 2000 führt CARE gemeinsam mit der
Karl Kübel Stiftung und dem Bundesministerium für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Kosovo ein Schulprogramm für
traumatisierte Kinder durch. Über Lehrerschulungen und ein
zwölfwöchiges Nachmittagsprogramm konnten bisher 2.630 Kinder darin
unterstützt werden, ihre traumatischen Erlebnisse positiv zu
verarbeiten und sich für eine multikulturelle Gemeinschaft neu zu
öffnen.
    
    Für die Weiterführung der Arbeit im Kosovo bittet CARE Deutschland
um Spenden:
    
    Spendenkonto 44 040 Sparkasse Bonn (BLZ 380 500 00) Weitere
Informationen und Online-Spenden: www.care.de
    
    
ots Originaltext: CARE Deutschland e.V.
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


Bildmaterial und deutsche Ansprechpartner im Kosovo bei:
Christina Heitmann,
Pressesprecherin CARE Deutschland e.V.,
Tel 0228/97563-23,
Mobil 0170 2046339,
heitmann@care.de

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