CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

Warten auf den Frieden: Wiederaufbau in Dschenin

Warten auf den Frieden: Wiederaufbau in Dschenin
Verteilung von Wasser in Dschenin - eine alte Frau holt Wasser vom mobilen CARE-Tank im Flüchtlingslager. Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Abdruck bitte unter Quellenangabe: "obs/CARE Deutschland"

      - Querverweis: Bild ist abrufbar unter:        
         http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=obs    

    Bonn/Dschenin (ots) - Prinzen, Präsidenten und Regierungschefs
debattieren viel in diesen Tagen. UN-Untersuchungsteams sind vor Ort.
Leitartikel verurteilen und fordern zum Handeln auf.
    
    Und dann gibt es noch einfache Menschen wie Amal Abu Sereia. Die
45-Jährige hat sich entschieden, nicht mehr an den Ort zurückkehren,
wo einst ihr Zuhause stand - bevor es zerstört wurde. Sie dankt Gott,
dass ihre vierzehnköpfige Familie noch am Leben ist. Immer wieder
weint sie vor Erleichterung, wenn sie Freunde trifft, die wie sie im
Flüchtlingslager von Dschenin nach vertrauten Gesichtern suchen.
    
    Vor diesen Ereignissen nahm Frau Sereia an einem
Selbsthilfeprojekt von CARE teil. Sie und 200 weitere Frauen brachten
ihr Geld in eine gemeinsame Kasse ein, um sich dann aus dieser
gegenseitig Kredite gewähren zu können. Ein solches Darlehen
ermöglichte ihr, sich ein eigenes kleines Lebensmittel- und
Kleidungsgeschäft aufzubauen.
    
    "Es lief alles so gut. Ich hatte Geld für meine Kinder", erzählt
Frau Sereia. "Jetzt ist nichts mehr da. Alles, was ich besaß, liegt
unter dem Haus begraben."
    
    Die israelischen Streitkräfte drangen Anfang April in Dschenin
ein. Familie Sereia war zehn Tage lang Gefangene in ihrem eigenen
Haus, ohne Elektrizität und fließendes Wasser. Dann, nachdem Soldaten
gekommen waren, um ihr Haus zu zerstören, fand die Familie mit ihren
sieben Kindern bei Nachbarn Unterschlupf. Als auch deren Heim
verwüstet wurde, zog man gemeinsam in das nächste. Schließlich ging
es nicht mehr weiter, und 72 Menschen waren gezwungen, zwei Tage und
Nächte in einem Raum auszuharren.
    
    Als sie sich entschieden, die unmenschlichen Lebensbedingungen
dieser letzten Zuflucht aufzugeben, schwenkte Frau Sereia aus Angst
und Vorsicht beim Verlassen des Hauses ihr weißes Kopftuch - die von
den meisten moslemischen Frauen getragene Hijaab.
    
    "Ich habe niemanden verloren - Hamdu li-laah (Gott sei dank)",
sagt sie. "Meine Familie ist wohlauf und bei mir, so dass es für mich
keinen Grund gibt, an den Ort zurückzukehren, wo unser Haus stand.
Wir werden ein neues Leben beginnen."
    
    Im Westjordanland müssen tausende Menschen von vorn anfangen. CARE
leistet Nothilfe, stellt vor allem medizinische Hilfsgüter,
Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen bereit - gleichzeitig bereitet
CARE den Wiederaufbau vor und beteiligt sich an Aufräumarbeiten. Um
die jüngsten Verluste der Betroffenen aufzufangen, werden
existierende Entwicklungsprojekte wie das Kleinkreditprogramm
ausgebaut oder eigentlich abgeschlossene Maßnahmen neu belebt.
    
    "Ich habe das ganze Lager abgesucht und überall nach ihnen
gefragt, aber ich finde niemanden mehr - ihre Häuser sind
niedergebrannt oder zerstört", erzählt Iman Taher. Mit 26 Frauen hat
er im Kleinkreditprogramm von CARE zusammengearbeitet. "In den
letzten zwei Jahren konnten viele Menschen hier wegen des Konfliktes
nicht mehr arbeiten. Jetzt haben sie ihr letztes Geld, ihren Besitz,
einfach alles verloren."
    
    Der Ausdruck ‚Flüchtlingslager' beschreibt nur unzutreffend die
gedrängte Ansammlung fester Unterkünfte. Einige Häuser waren drei
Stockwerke hoch, verfügten über Elektrizität, Haushaltsgeräte und
Teppiche. Das Lager von Dschenin beherbergt 13.000 Menschen, und
einige lebten hier seit Jahrzehnten. Das Camp wurde 1953 eingerichtet
für jene, die nach dem Krieg von 1948 und der Gründung des Staates
Israel als Flüchtlinge eingestuft wurden.
    
    Die jüngsten Kämpfe in Dschenin haben ein Gebiet von der Größe
zweier Stadtteile zerstört. Überall türmen sich Berge von Beton,
ganze Häuserhälften sind zerschossen, Mobiliar liegt begraben unter
Stein und Stahl. Bulldozer schaufeln sich durch haushohe Trümmer,
viele Menschen wühlen im Schutt nach ihren Habseligkeiten. Häuser,
deren Wände zerstört sind, erlauben den Vorbeikommenden einen Blick
auf die dort Hausenden, als wäre ihr Leben Teil eines Theaterstückes.
    
    CARE verteilt an Krankenhäuser in Dschenin dringend benötigte
medizinische Verbrauchsgüter wie Spritzen, Handschuhe,
Verbandsmaterial, Beatmungsschläuche, chirurgisches Material und
Urinbeutel. Darüber hinaus hat CARE Traktoren mit Tankanhängern
gemietet, um einige tausend Lagerbewohner direkt mit Trinkwasser
versorgen und feste Vorratstanks im Lager wieder auffüllen zu können.
Um die Gesundheitsbedingungen weiter zu verbessern, säubert CARE das
Lager vom herumliegenden Müll und räumt Schutt von den Straßen.
    
    "Lasst uns versuchen, etwas Gutes aus der Hilfsbereitschaft zu
gewinnen", appelliert der Gouverneur von Dschenin, Zuheir Manassrah.
"Wir sollten die Chance nutzen, etwas Neues aufzubauen. Dann werden
wir den Tag erleben, an dem wir selbst nicht mehr auf Unterstützung
angewiesen sind und sagen können: ‚Lasst uns gemeinsam anderen
helfen.'"
    
    Insha-allah - so Gott will - wird dieser Tag bald kommen. Die
Menschen in Israel und den palästinensischen Gebieten verdienen den
Wandel.
    
    
ots Originaltext: CARE Deutschland e.V.
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Pressestelle:

Christian Worms
CARE Deutschland
Dreizehnmorgenweg 6
D-53175 Bonn
Tel:    +49 (0)228 97563 28
mobil: +49 (0)163 6250466
Fax:    +49 (0)228 97563 51
Email: worms@care.de

Original-Content von: CARE Deutschland-Luxemburg e.V., übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

Das könnte Sie auch interessieren: