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23.07.2003 – 11:35

Ärzte ohne Grenzen

LIBERIA
Endlose Spirale von Gewalt und Vertreibung

    Berlin (ots)

Angesichts der schweren Kämpfe und Plünderungen in
der liberianischen Hauptstadt Monrovia berichtet die
Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN, dass die Zahl verwundeter
Zivilisten ansteigt. Allein am Montag haben die Mitarbeiter der
Organisation 155 Patienten behandelt und 13 Todesfälle gezählt. Zum
dritten Mal innerhalb von zwei Monaten sind Tausende Vertriebene
erneut auf der Flucht vor den Kämpfen in der Hauptstadt. ÄRZTE OHNE
GRENZEN veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht mit Zeugenaussagen
über die leidvollen Erfahrungen vieler Liberianer. Alle
Konfliktparteien werden darin aufgefordert, die Gewalt gegen die
Zivilbevölkerung einzustellen.
    
    "Jeden Tag hören wir von unseren Patienten entsetzliche
Geschichten", erklärt die medizinische Koordinatorin Nathalie Civet
in Monrovia. "Willkürliche Gewalt, Vergewaltigungen und Vertreibung
gehören für diese Menschen zur Tagesordnung." Die derzeitigen Kämpfe
in Monrovia verschlimmern die Situation erneut. In der Hauptstadt und
in den Lagern außerhalb fehlen Nahrungsmittel und medizinische Hilfe.
Die prekäre sanitäre Lage hat zudem zu einem Cholera-Ausbruch
geführt. Darüber hinaus zeigen immer mehr Menschen Anzeichen von
Unterernährung.
    
    Der 28 Seiten umfassende Bericht "Liberian Stories" gibt
Aufschluss über die bitteren Erfahrungen vieler Liberianer während
des jahrelangen Krieges. Die Menschen berichten über willkürliche
Gewalt, Plünderungen, Vergewaltigung, Zwangsrekrutierung und
familiäre Trennungen. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft alle Konfliktparteien
auf, Gewalttätigkeiten gegen Zivilisten einzustellen, ihnen eine
sichere Flucht sowie den Zugang zu überlebensnotwendiger Hilfe zu
garantieren. Auch Hilfsorganisationen benötigen freien Zugang zur
Zivilbevölkerung. Zudem werden die Regierungen der Nachbarländer
aufgefordert, die Grenzen für Flüchtlinge offen zu halten und ihnen
angemessenen Schutz und Hilfe zu bieten.
    
    Laut ÄRZTE OHNE GRENZEN gibt es im ganzen Land kein einziges
funktionierendes Krankenhaus mehr. Vor sechs Wochen hatten humanitäre
Hilfsorganisationen noch Zugang zu einem Viertel des Landes, derzeit
nur zu einem einzigen Stadtteil Monrovias. Die Mehrheit der
Liberianer bleibt bei den Kämpfen sich selbst überlassen.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit 1990 in Liberia. In Monrovia
unterhält die Organisation zwei Notkliniken, chirurgische
Einrichtungen und Ernährungszentren sowie acht Gesundheitsstationen
und vier Cholera-Behandlungszentren. Zudem stellt sie die
Wasserversorgung für die Vertriebenen in der Stadt sicher.
    
    "Liberian Stories" kann abgerufen werden unter:
    www.aerzte-ohne-grenzen.de
    
    Spenden: Sparkasse Bonn, BLZ: 380 500 00, Kto: 97 0 97,
    Stichwort Westafrika
    
ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen e.V.
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de
    
    
Weitere Informationen: Pressestelle
Petra Meyer, Kattrin Lempp,
Tel: 030-22337700

Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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