Ärzte ohne Grenzen

Angola: Hunderttausende dem Hungertod überlassen

    Luanda/Berlin (ots) -

    ÄRZTE OHNE GRENZEN kritisiert unzureichende Reaktionen der
angolanischen Regierung und der Vereinten Nationen
    
    Nach Angaben der internationalen Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN
sind Hunderttausende Angolaner vom Hungertod bedroht, wenn die
angolanische Regierung und die Vereinten Nationen nicht unverzüglich
massive Anstrengungen dagegen unternehmen. Auf einer Pressekonferenz
am heutigen Dienstag in Luanda warf die Organisation der
angolanischen Regierung, dem Welternährungsprogramm der Vereinten
Nationen (WFP) und dem UN-Koordinationsbüro für humanitäre
Angelegenheiten (OCHA) vor, bislang viel zu langsam und unangemessen
auf die humanitäre Notlage von mindestens 500.000 Angolanern reagiert
zu haben. Seit dem Waffenstillstandsabkommen vom 4. April 2002 hat
ÄRZTE OHNE GRENZEN Zugang zu Gebieten, die jahrelang von jeglicher
Hilfe abgeschnitten waren. Tausende sind dort bereits an Hunger
gestorben.
    
    "Jeden Tag kommen unsere Teams in neue, bisher unzugängliche
Gebiete und finden dort alarmierende Unterernährungs- und
Sterblichkeitsraten vor", sagte Morten Rostrup, Präsident des
internationalen Rates von ÄRZTE OHNE GRENZEN. "Seit Anfang April
teilen wir unsere Informationen den Vereinten Nationen, der
angolanischen Regierung sowie anderen Hilfsorganisationen mit, doch
die Reaktionen darauf waren bisher völlig unzureichend. Die Welt
lässt es wissentlich zu, dass die angolanische Bevölkerung an Hunger
stirbt."
    
    Laut ÄRZTE OHNE GRENZEN haben die UN-Organisationen die
Dringlichkeit der Situation bislang nicht erkannt und an vielen
Orten, an denen ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet, immer noch keine
allgemeine Nahrungsmittelverteilung gestartet. Darüber hinaus hat das
WFP die Nahrungsmittelrationen für Vertriebene, denen bereits vor dem
4. April geholfen wurde, dramatisch gekürzt und so 335.000 Menschen
ohne Hilfe sich selbst überlassen. Obwohl das Ausmaß der Katastrophe
schon seit über einem Monat bekannt ist, hat das WFP in den neu
zugänglichen Gebieten und den Demobilisierungslagern erst jetzt mit
der Nahrungsmittelhilfe begonnen. Zudem haben die Vereinten Nationen
die Geberländer nicht um mehr Geld für Angola gebeten, sondern
zugelassen, dass die Situation in Angola als Teil der Hungersnot im
südlichen Afrika behandelt wird - einer Situation, der völlig andere
Ursachen zugrunde liegen und die andere Reaktionen verlangt.
    
    In hohem Maße verantwortlich für die katastrophale Situation ist
laut ÄRZTE OHNE GRENZEN die angolanische Regierung. Beide
Kriegsparteien setzten während des Bürgerkriegs die Vertreibung von
Tausenden von Menschen gezielt als Kriegsstrategie ein. Drei Jahre
lang mussten die Menschen in vielen Gebieten ohne jegliche Hilfe von
außen überleben. Während die Regierung gemäß dem Friedensabkommen
inzwischen einige Nahrungsmittel für die ehemaligen UNITA-Rebellen
und ihre Familien in den Demobilisierungslagern zur Verfügung stellt,
gibt es nach Angaben von ÄRZTE OHNE GRENZEN praktisch keine
Unterstützung seitens der Regierung für die Zivilbevölkerung in den
ehemaligen Bürgerkriegsgebieten. Die Arbeit der Hilfsorganisationen
wird zudem durch schwierige Visa- und Zollprozeduren erschwert.
    
    "Ein Masern - oder Ruhrausbruch würde für viele der bereits
geschwächten und unterernährten Menschen den Tod bedeuten", sagte
Rostrup. "Wenn die angolanischen Behörden, die UN-Institutionen,
besonders das WFP, sowie die internationale Gemeinschaft der
Geberländer nicht unverzüglich ihre Programme ausweiten, kann es
sein, dass Hunderttausende an Hunger und Krankheiten sterben. Wir
haben die angolanische Bevölkerung in der Vergangenheit nicht
angemessen unterstützt, wir dürfen sie nicht nochmals im Stich
lassen, wenn der Frieden uns jetzt die Möglichkeit gibt zu helfen."
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit 1983 in Angola. Die Teams
betreuen derzeit rund 14.000 Menschen in 44 Ernährungszentren in 11
von 18 Provinzen des Landes. Derzeit sind rund 160 internationale und
mehr als 2.000 nationale Mitarbeiter in Angola in tätig - mehr als in
jedem anderen Land der Welt.
    
    
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