Ärzte ohne Grenzen

Südafrika: HIV/Aids-Medikamente aus Brasilien senken Behandlungskosten

    Johannesburg/Berlin (ots) - Die internationale Organisation ÄRZTE
OHNE GRENZEN wird in Südafrika künftig HIV/Aids-Patienten mit
generisch hergestellten Medikamenten aus Brasilien behandeln. Damit
können die täglichen Behandlungskosten pro Patient von 3,20 US-Dollar
auf 1,55 US-Dollar gesenkt werden. Drei Mitglieder der
südafrikanischen Organisation Treatment Action Campaign (TAC) haben
gestern bereits zum zweiten Mal die kostengünstigen brasilianischen
Arzneimittel nach Südafrika eingeführt. Im Township Khayelitsha in
der Provinz Westcap werden bereits 50 Patienten mit dem Aids-Cocktail
aus Brasilien behandelt.
    
    "Brasilien zeigt, was möglich ist, wenn eine Regierung das Problem
HIV/Aids ernsthaft angeht. Dort werden selbst in den ärmsten Regionen
kostenlose HIV/Aids-Medikamente zur Verfügung gestellt, und Tausenden
Menschen wird so die Chance gegeben weiterzuleben", sagte Zackie
Achmat von TAC heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in
Johannesburg. Nach Ansicht von ÄRZTE OHNE GRENZEN, TAC und Oxfam ist
die südafrikanische Regierung nach ihrem Sieg gegen 39 internationale
Pharmakonzerne im April 2001 jetzt gefordert, ein ähnliches Programm
ins Leben zu rufen. "Die südafrikanische Regierung sollte
Zwangslizenzen vergeben, die es ihr ermöglichen, preisgünstige
Medikamente entweder selbst herzustellen und/oder generisch aus
anderen Ländern zu importieren und so die im weltweiten Vergleich
kostengünstigsten Medikamente zu nutzen", sagte Dan Mullins von
Oxfam.
    
    Im Township Khayelitsha behandelt ÄRZTE OHNE GRENZEN seit Mai 2001
HIV/Aids-Patienten mit der Dreifachtherapie. "Damit zeigen wir, dass
es möglich ist, auch unter einfachen Bedingungen HIV/Aids-Patienten
antiretroviral zu behandeln. Menschen, die keine Hoffnung mehr
hatten, können so wieder ein normales Leben führen", sagt Dr. Eric
Goemaere von ÄRZTE OHNE GRENZEN. "Diese Medikamente können sicher und
effektiv in Südafrika angewendet werden, und als Ärzte haben wir die
Pflicht, die Behandlung so vielen wie möglich zukommen zu lassen."
    
    Behandelt wird mit dem Präparat AZT/3TC kombiniert mit Nevirapin.
Die Arzneimittel, deren Qualität bereits von der südafrikanischen
Arzneimittelbehörde (Medicines Control Council/MCC) bestätigt wurde,
bezieht ÄRZTE OHNE GRENZEN bei dem staatlichen brasilianischen
Hersteller FarManguinhos. Grundlage hierfür ist eine Vereinbarung
zwischen ÄRZTE OHNE GRENZEN, dem brasilianischen
Gesundheitsministerium sowie der staatlichen Forschungseinrichtung
Fiocruz, die zum Ziel hat, die HIV/Aids-Behandlung in ärmeren Länder
zugänglich zu machen.
    
    Seit 1996 stellt die brasilianische Regierung den Aids-Cocktail
für alle Betroffenen, derzeit mehr als 100.000 Menschen kostenlos zur
Verfügung. Damit konnte die HIV-Sterberate um 50 Prozent gesenkt
werden. Zwischen 1997 und 2000 hat Brasilien zudem 677 Millionen
US-Dollar unter anderem an Krankenhauskosten eingespart.
    
    
    
ots Originaltext: Aerzte ohne Grenzen
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