Ärzte ohne Grenzen

Inguschetien
ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert UNHCR auf, bessere Bedingungen für Vertriebene (1) aus Tschetschenien zu schaffen

    Nazran/Berlin (ots) - Die internationale Organisation ÄRZTE OHNE
GRENZEN ruft den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen,
Ruud Lubbers, anlässlich seines heutigen Inguschetien-Besuchs auf,
sich für eine bessere Versorgung der Tschetschenen in Inguschetien
einzusetzen. Unbeachtet von der internationalen Gemeinschaft leben
Hunderttausende tschetschenische Vertriebene dort unter inakzeptablen
Bedingungen. Da die Gewalt in Tschetschenien weiterhin anhält, nimmt
die Zahl der Vertriebenen täglich zu.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN ist sehr besorgt über die humanitäre Situation
von schätzungsweise 180.000 Tschetschenen, die aus ihren Heimatorten
vertrieben wurden und bereits den dritten Winter in Inguschetien
verbringen. Ihre Lage verschlechtert sich zunehmend. Die meisten
haben bei Familien Zuflucht gefunden. Mehr als 60.000 Menschen leben
in Zelten, leeren Schul- oder Fabrikgebäuden. Am nötigsten werden
Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen gebraucht. Die Zelte sind
abgenutzt und undicht, sie müssen dringend ersetzt werden. Auch die
sanitäre Versorgung ist völlig unzureichend: 100 Menschen müssen sich
jeweils eine Latrine teilen.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN kritisiert außerdem das unklare
Registrierungssystem für Neuankömmlinge. Viele Menschen werden
überhaupt nicht erfasst, da die verschiedenen Organisationen
unterschiedliche Verfahren anwenden. Zudem betrachten die russischen
Behörden Tschetschenen, die seit Februar 2001 in Inguschetien Schutz
suchen, als "Wirtschaftsflüchtlinge" und registrieren sie nicht mehr.
Ohne rechtlichen Status steht ihnen jedoch keine Unterstützung zu.
Häufig finden sie keine Arbeit und haben keinen Zugang zu humanitärer
Hilfe. ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert den UNHCR auf sicherzustellen, dass
die offizielle Registrierung der tschetschenischen Vertriebenen
wieder aufgenommen wird.
    
    Unterdessen hält die Gewalt in Tschetschenien an. Die Bevölkerung
lebt unter ständiger Bedrohung, und viele Familien haben ihr Zuhause
verloren. ÄRZTE OHNE GRENZEN leistet medizinische Hilfe in
Inguschetien, Dagestan und Tschetschenien. In Inguschetien werden die
Vertriebenen seit 1999 versorgt. In Tschetschenien kann ÄRZTE OHNE
GRENZEN aus Sicherheitsgründen nur begrenzt arbeiten. Die
Organisation unterstützt dort medizinische Einrichtungen, verteilt
Medikamente und medizinisches Material.
    
    (1) Menschen, die auf ihrer Flucht innerhalb der eigenen
Landesgrenzen bleiben, werden als Vertriebene bezeichnet. Da
Inguschetien bisher noch nicht als eigenständiger Staat anerkannt
ist, existiert zwischen Tschetschenien und Inguschetien keine
offizielle Staatsgrenze. Deshalb werden die Menschen, die von
Tschetschenien nach Inguschetien fliehen, als Vertriebene bezeichnet.
Menschen, die hingegen über eine Staatsgrenze flüchten, gelten laut
Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 als Flüchtlinge.
    
    
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