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17.04.2001 – 12:43

Ärzte ohne Grenzen

Südafrika
Hunderttausende Menschen fordern pharmazeutische Industrie zur Rücknahme der Klage auf

    Berlin (ots)

Nationale und internationale Organisationen
verurteilten am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Johannesburg
die 39 pharmazeutischen Unternehmen, die an ihrer Klage gegen die
südafrikanische Regierung festhalten. Damit blockiere die Industrie
die Bemühungen der Regierung, den Zugang zu HIV/Aids-Medikamenten für
die Bevölkerung in Südafrika sicherzustellen. Mit einer weltweiten
Unterschriftenaktion rufen die Organisationen die Konzerne auf, die
Klage fallen zu lassen. Dabei weisen sie auch die Argumentation der
Industrie zurück, die hohen Medikamentenpreise in Afrika seien
notwendig, um hohe Forschungs- und Entwicklungskosten abzudecken.
    
    Die internationale medizinische Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN
veröffentlichte die Ergebnisse einer sechswöchigen
Unterschriftenaktion, bei der rund 250.000 Menschen aus 130 Ländern
die pharmazeutische Industrie auffordern, die Klage niederzulegen.
Die Petition spiegelt die weltweite Empörung über das heuchlerische
Verhalten der Pharmaindustrie wider, die einerseits vorgibt, Aids zu
bekämpfen und andererseits die Anstrengungen von Regierungen
unterläuft, den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten zu
ermöglichen.
    
    "So unterschiedliche Unterzeichner wie 4.000 Bewohner eines Slums
in Nairobi oder Berühmtheiten wie Whoopi Goldberg, Carlos Santana und
REM rufen die Firmen dazu auf, die Klage fallen zu lassen", sagte Dr.
Eric Goemaere von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Südafrika. "Ich fordere die
Vertreter der Konzerne auf, unsere Gesundheitszentren in den
Townships zu besuchen, damit sie selbst das Leid sehen können, das
sie durch ihre Praxis, Profit über das Wohlergehen der Menschen zu
stellen, hervorrufen.
    
    Die südafrikanische Organisation TREATMENT ACTION CAMPAIGN (TAC),
die als offizieller Sachverständiger bei Gericht zugelassen wurde,
zeigte am Dienstag, welche furchtbaren Auswirkungen die hohen
Medikamentenpreise in Südafrika haben. Innerhalb des letzten Jahres
sind 250.000 Menschen in Südafrika an den Folgen von HIV und Aids
gestorben. In den sechs Wochen, die der Prozess ausgesetzt war, um
der pharmazeutischen Industrie Zeit zu geben, Beweise für die
Begründung der hohen Preise zu sammeln, starben allein 30.000
Menschen an den Folgen von Aids. Die meisten von ihnen hatten keinen
Zugang zu lebensrettenden Medikamenten.
    
    "Die viel zu hohen Medikamentenpreise in Südafrika können nicht
mit dem Argument gerechtfertigt werden, dass Forschung und
Entwicklung refinanziert werden müssen, denn in Afrika wird nur ein
Prozent aller pharmazeutischen Produkte verkauft", sagte Zackie
Achmat von TAC. "In Wahrheit wurde die Forschung und Entwicklung von
HIV-Medikamenten zu einem beträchtlichen Teil mit öffentlichen
Geldern - und nicht nur mit Industriemitteln - bezahlt. Die Patente
für wichtige antiretrovirale Arzneimittel wie d4T, ddI und ddC werden
von der amerikanischen Regierung oder akademischen Institutionen
gehalten", so Achmat. Außerdem investiere der private Sektor kaum in
die Forschung und Entwicklung von Medikamenten, die in erster Linie
die Entwicklungsländer betreffen.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN betont zudem die Notwendigkeit, bestehende
legale Mittel zu nutzen, um den Zugang zu erschwinglichen
Medikamenten sicherzustellen. Öffentlichkeitswirksame Preisnachlasse
für Aids-Medikamente, wie sie in jüngster Zeit von multinationalen
Pharmakonzernen angeboten wurden, seien hingegen keine nachhaltige
Lösung.
    
    "Der Prozess in Südafrika schafft einen wichtigen Präzedenzfall
für Entwicklungsländer. Es geht letztlich darum, ob kommerzielle
Interesse wichtiger sind als die Gesundheit von Millionen Menschen",
sagte Kevin Watkins von Oxfam.
    
    
ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de


Weitere Informationen:
ÄRZTE OHNE GRENZEN,
Pressestelle: Kattrin Lempp,
Petra Meyer in Berlin: 030-22 33 77 00 oder in
Pretoria Samantha Bolton: 082-858 3429 bzw.
Toby Kasper: 082 332 9713;
OXFAM,
Helen Palmer: 082 448 3299;
TAC,
Mark Heywood: 083 634 8806 bzw.
Zackie Achmat: 083 467 1152

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