Ärzte ohne Grenzen

Myanmar/Birma: Tausende Menschen sterben an HIV/Aids
Antiretrovirale Therapie noch immer nicht ausreichend verbreitet

    Rangun/Berlin (ots) - Tausende Menschen sterben unnötig infolge des großen Mangels an lebensrettender HIV/Aids-Behandlung in Myanmar/Birma. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, den ÄRZTE OHNE GRENZEN am Dienstag veröffentlichte. Die Organisation fordert die Regierung von Myanmar/Birma sowie internationale Organisationen auf, die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten (ARV) in größerem Umfang anzubieten, da die Hilfsorganisation nicht weiterhin allein die Hauptverantwortung für die Behandlung in dem Land übernehmen kann. Myanmar/Birma gehört zu den Ländern Asiens, in denen HIV/Aids sehr stark verbreitet ist.

    Geschätzte 240.000 Menschen in Myanmar/Birma leben mit HIV/Aids. 76.000 von ihnen benötigen dringend eine antiretrovirale Behandlung, aber nur weniger als 20 Prozent erhalten diese tatsächlich. "Vergangenes Jahr starben etwa 25.000 Menschen an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids. Eine ähnliche Zahl müssen wir für 2008 erwarten, wenn der Zugang zu dieser Behandlung nicht schnell verbessert wird", erklärte Joe Belliveau, Programmleiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN.

    Gegenwärtig wird der Großteil der im Land verfügbaren ARV für mehr als 11.000 Patienten von ÄRZTE OHNE GRENZEN bereitgestellt, während die Regierung von Myanmar/Birma und andere Organisationen in dieser Hinsicht relativ wenig tun. "Es ist inakzeptabel, dass eine einzelne Organisation die große Mehrheit aller HIV/Aids-Patienten in einer Krise dieses Ausmaßes behandeln muss", erklärte Belliveau. ÄRZTE OHNE GRENZEN gelangte kürzlich an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten und musste die Zahl der neuen Patienten drastisch reduzieren. Da es kaum andere Akteure gibt, die ARV bereitstellen, konnten die meisten Patienten nicht anderweitig behandelt werden. "Angesichts des immensen ungedeckten Bedarfs fordern wir alle Akteure dringend dazu auf, die Bereitstellung von ARV auszudehnen", so Belliveau.

    Die Notwendigkeit, das Behandlungsangebot auszuweiten, ist offensichtlich. Im Jahr 2008 gab die Regierung von Myanmar/Birma nur 200.000 US Dollar für den Kampf gegen HIV/Aids aus. Auch die gesamte internationale Hilfe ist mit 3 US-Dollar pro Einwohner sehr gering und zählt zu den geringsten weltweit. Sie liegt signifikant unter den Beträgen, die benachbarte Länder mit vergleichbaren HIV/Aids-Zahlen erhalten. Aus Sorge darüber, dass die Hilfe nicht angemessen und effizient verwendet wird, stellen die großen internationalen Geber nur wenige Ressourcen für Myanmar/Birma bereit.

    ÄRZTE OHNE GRENZEN hat gezeigt, dass es möglich ist, die Patienten direkt vor Ort mit lebensrettenden HIV/Aids-Medikamenten zu behandeln. Ein größeres Engagement der Regierung und anderer internationaler Organisationen, ARV schnell und großflächig zugänglich zu machen, ist überfällig.

    ÄRZTE OHNE GRENZEN leistet seit 1993 Gesundheitsversorgung in Myanmar/Birma und startete 2003 ein HIV/Aids-Programm. Seitdem haben Mitarbeiter in 23 Kliniken in fünf Regionen des Landes Tausende HIV/Aids-Patienten mit Beratungen, Tests, Behandlung opportunistischer Infektionen, Ernährungs- und Gesundheitserziehung und vor allem antiretroviraler Behandlung unterstützt.

Pressekontakt:
Für Interviewanfragen steht die ehemalige stellvertretende
Landeskoordinatorin in Myanmar/Birma, Juli Niebuhr, zur Verfügung.
Für weitere Informationen und den Bericht "A preventable fate: The
failure of ART scale-up in Myanmar" kontaktieren Sie bitte die
Pressestelle: Christiane Winje, 030 - 22 33 77 00,
www.aerzte-ohne-grenzen.de

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