Ärzte ohne Grenzen

Jemen: 29 Tote an Küste gefunden/Hilfe für Überlebende nach gefährlicher Bootsreise über den Golf von Aden

    Ahwar/Berlin (ots) - Am Dienstag sind 29 Leichen an der Küste Jemens angeschwemmt worden. Bereits am frühen Morgen hatte ein Team von ÄRZTE OHNE GRENZEN acht Tote gefunden. Sie waren Opfer einer gefährlichen Überfahrt über den Golf von Aden geworden. Den Angaben von Überlebenden zufolge stammen sie vom Horn von Afrika und waren auf der Flucht vor Konflikten und extremer Armut in der Region. Auf der Reise sollen bis zu zehn weitere Menschen gestorben sein. Seit September 2007 hilft ÄRZTE OHNE GRENZEN Bootsflüchtlingen an der Küste Jemens.

    Am Dienstagmorgen waren die Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN um 4.30 Uhr über eine Bootsankunft informiert worden, die siebte innerhalb von neun Tagen. Als das Team am Strand von Wadi Al-BarakinYemen (30 Kilometer von Ahwar) eintraf, stießen die Helfer auf eine Gruppe von Überlebenden sowie zunächst acht Leichen. Im Laufe des Tages wurden weitere 21 Leichen ans Ufer geschwemmt. Den Berichten der Flüchtlinge zufolge war das Boot mitten in der Nacht angekommen und hatte in tiefen Gewässern in weiter Entfernung vor der Küste angehalten. Die Passagiere seien mit äußerster Gewalt gezwungen worden, von Bord zu springen. Die überwiegende Zahl der Menschen, die ums Leben kamen, habe jedoch nicht schwimmen können.

    Die Überlebenden berichteten, dass die Schlepper während der Überfahrt sehr brutal vorgegangen seien. Mehrere Menschen erstickten, drei Menschen - darunter zwei Kinder - seien über Bord geworfen worden. Zu Beginn der Reise seien ca. 120 Menschen an Bord des Bootes gewesen. Ein 23-jähriger somalischer Flüchtling erzählte den Helfern: "Die Schmuggler versprachen in Bossaso (Somalia), dass wir in kleinen Gruppen mit neuen, schnellen Booten nach Jemen gebracht würden. Aber das Boot war alt und überfüllt. Die Reise dauerte zwei Tage. Wir bekamen weder Essen noch Wasser."

    Nachdem sie am Strand Erste Hilfe erhalten hatten, gingen die Flüchtlinge zum Ahwar Aufnahmezentrum (ARC), in dem ÄRZTE OHNE GRENZEN medizinische Hilfe und Beratungen anbietet. "Auf den letzten sechs Booten wurden die Menschen menschenwürdig behandelt. Wir dachten, dieser Trend halte sich - bis heute. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Flüchtlings- und Migrantenzahlen 2008 doppelt so hoch", sagte Alfonso Verdú, Landeskoordinator von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Jemen. Auch die Gewalt gegenüber den Flüchtlingen und Migranten habe sich seit Anfang September verschlimmert.

    ÄRZTE OHNE GRENZEN bietet seit September 2007 medizinische und humanitäre Hilfe für Flüchtlinge an der Südküste Jemens an. Die Organisation hat dort im Jahr 2008 für mehr als 3.800 Menschen Hilfe geleistet, allein 580 im September. Im Juni 2008 veröffentlichte ÄRZTE OHNE GRENZEN den Bericht "No choice", der die Umstände der gefährlichen Überfahrten über den Golf von Aden dokumentiert und mehr Hilfe für Tausende von Flüchtlingen und Migranten fordert.

    Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Winje, 030 22 33 77 00. Der Bericht "No choice": http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/Service/Publikationen/Hintergrundbe richte.php

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