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22.05.2006 – 18:31

WWF World Wide Fund For Nature

Bayrischer Bär macht Sorgen - WWF fordert Management-Plan für einwandernde Bären

Frankfurt a.M. (ots)

Die Entscheidung des bayrischen
Umweltministers Werner Schnappauf, den nach Bayern eingewanderten 
Braunbären zum Abschuss frei zu geben, wird vom WWF akzeptiert. Die 
Entscheidung beruhe auf Beratungen mit Wildbiologen und 
Bärenexperten, an denen sich auch Fachleute des WWF beteiligt haben. 
"Wir versuchen nach wie vor, das Tier lebend zu erwischen, die 
Chancen, dass das gelingt stehen aber eher schlecht", so Roland 
Melisch, Leiter des Bereichs Artenschutz beim WWF Deutschland.
In Ausnahmefälle könne der Abschuss eines verhaltensauffälligen 
Bären gerechtfertigt sein. Bei einem Bären, der die Nähe des Menschen
aktiv und häufig sucht, wie bei dem bayrischen Exemplar eindeutig der
Fall, könne die Gefährdung von Menschen nicht mehr ausgeschlossen 
werden. Dieser hatte in der Nacht zum Montag zwei weitere Schafe 
gerissen und war anschließend in einen Hühnerstall in der Nähe von 
Garmisch-Partenkirchen eingedrungen. Ähnliche Fälle habe es in 
Österreich bereits gegeben.
In Nachbarland haben die Menschen bereits langjährige Erfahrung im
Umgang und Zusammenleben mit Bären. Aber auch hier wurden 1994 
"Problembären" in der Steiermark (Notwehr) und in Oberösterreich 
erlegt. Der in Österreich vorliegende Bären-Managementplan sieht bei 
verhaltensauffälligen Bären als erste Maßnahme den Fang und die 
Besenderung des Tieres vor. Über diese Bärensender lässt sich das 
Verhalten des Bären besser verstehen und damit auch eine 
Risikoabschätzung zu möglichen Konflikten erstellen. Wenn der 
Standort des Tieres mittels Sender verfolgt werden kann, kann dem 
Bären in einer "Vergrämungsaktion" auch die natürliche Scheu vor dem 
Menschen wieder anerzogen werden. Der Abschuss eines Bären ist in 
jedem Fall erst dann vorgesehen, wenn diese Methoden erfolglos waren,
oder nicht durchgeführt werden können.
Neben dem Abschuss des Bären bestehe nach wie vor die Möglichkeit 
eines Fang- oder Betäubungsversuches. Die Erfolgsaussichten dafür 
seien nach Einschätzung des WWF jedoch gering. Nach wie vor habe der 
Bär Menschen gegenüber kein aggressives Verhalten gezeigt, die 
Häufung der Schäden zeige aber, dass ein konfliktfreies Nebeneinander
von Mensch und Bär bei diesem Tier sehr unwahrscheinlich ist. Der WWF
bedauert, dass es sich beim ersten Bären in Deutschland um ein 
verhaltensauffälliges Tier handelt.
Es werde aber sicher nicht der letzte Bär sein, der über die Grenze 
kommt. "Bayern muss sich besser vorbereiten", betont Roland Melisch. 
Der Freistaat brauche dringend einen Management Plan, der die 
Bevölkerung, vor allem Schäfer, Landwirte, Imker, Wanderer und  
Förster auf einwandernde Tiere vorbereitet. Der WWF werde versuchen, 
sich mit bestem Know-how daran zu beteiligen. Im Prinzip fänden 
Braunbären auch in Bayern gute Lebensbedingungen vor.

Rückfragen bitte an:

Jörn Ehlers, Pressestelle WWF Deutschland, Tel.: 0 30/30 87 42-12
E-Mail: ehlers@wwf.de

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