WWF World Wide Fund For Nature

Zur 6. WTO-Konferenz in Hongkong, 13.-18. Dezember: WWF fordert faire Spielregeln für den Welthandel Umweltstiftung kritisiert ungerechte und ökologisch unverantwortliche Subventionen

    Hongkong/ Frankfurt a. Main (ots) - Keine Chance für Entwicklungsländer, ungerechte Subventionen und Raubbau an der Umwelt: So sieht nach Ansicht des WWF derzeit der Welthandel aus. Der WWF befürchtet, dass daran auch die 6. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) nichts ändern wird, die am Dienstag in Hongkong beginnt. "Der vorgelegte Entwurf, über den die Wirtschafts- und Handelsminister der 148 Mitgliedsländer abstimmen werden, enthält kaum einen Hoffnungsschimmer, weder für arme Länder noch für die Umwelt", sagt WWF-Expertin Tanja Dräger. Der WWF fordert eine umfassende Reform der WTO-Regeln, insbesondere die Abschaffung aller Exportsubventionen bis 2010 sowie den Abbau von sozial ungerechten und ökologisch unverantwortlichen Subventionen.

    Vor vier Jahren hatte die WTO beschlossen, die Belange der Entwicklungs- und Schwellenländer besonders zu berücksichtigen. "Davon ist im Moment aber wenig zu sehen", kritisiert Dräger. Knackpunkt sei vor allem der Agrarhandel. Der WWF wirft den Industrieländern vor, ihre Märkte gegen Agrarprodukte aus ärmeren Ländern abzuschotten, die eigenen Produkte unlauter zu subventionieren und dabei soziale und ökologische Standards völlig unzureichend zu berücksichtigen. Beispielsweise finanziere die EU mit ihren Subventionen die Austrocknung ganzer Landesteile in Spanien: "Für viel Geld wird dort ökologisch sensiblen Gebieten das Wasser abgegraben, um Erdbeerplantagen zu bewässern. Dabei gibt es längst ein Überangebot an Erdbeeren. Allein in diesem Jahr wurden mindestens 4.500 Tonnen vom Markt genommen, um den Preisverfall zu stoppen." Es sei pervers, dass für Umwelt zerstörende und unnötige Landwirtschaft auch noch Subventionen gezahlt würden.

    Dräger fordert Bundeswirtschaftsminister Michael Glos auf, sich in Hongkong für faire Spielregeln im Welthandel einzusetzen, und erinnert an den Koalitionsvertrag: "Darin heißt es, dass es grundsätzlich einen vollständigen Abbau aller Subventionen für Exporte geben muss." Der aktuelle Vorschlag der EU sieht vor, durch juristische Taschenspielertricks - das so genannte Box-Shifting - die Agrarsubventionen zum großen Teil auf dem derzeitigen Stand zu belassen. "Ermöglicht wird diese Absurdität durch die Klassifizierung der Subventionen in stark, weniger und minimal handelsverzerrend", erläutert Dräger. "Subventionen werden einfach von einer Kategorie in die andere verschoben, vorzugsweise in die so genannte Grüne Box, die einzige, aus der beliebig hohe Zahlungen fließen dürfen." Mit der Agrarreform hat die EU die Subventionen der Grünen Box von 20 auf rund 50 Milliarden Euro erhöht.

    Wenn die EU und die USA sich mit ihren Vorstellungen in den Agrarverhandlungen durchsetzen, sind nach WWF-Angaben steigende Erwerbslosigkeit und Armut sowie eine zunehmende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen unausweichlich. "Jedes Agrarabkommen, dass nach derzeitigem Verhandlungsstand beschlossen wird, gießt die bestehenden Ungerechtigkeiten für weitere zwanzig Jahre in Beton. Profitieren werden davon weiterhin vor allem große Landwirtschaftsbetriebe und Agrarkonzerne", so Dräger.

    Weitere Informationen erhalten Sie unter www.wwf.de/presse und bei: Tanja Dräger de Teran, WWF Agrarpolitik, in Hongkong heute von 8 bis 15.30 Uhr deutscher Zeit erreichbar unter 0162/2 91 44-42, draeger@wwf.de; Astrid Deilmann, Pressestelle WWF, Tel.: 0 162/2 91 44-80, deilmann@wwf.de

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