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30.03.2004 – 12:30

WWF World Wide Fund For Nature

Deutschlands Regeln für den Nationalen Allokationsplan: Erste Zusammenfassung und Bewertung des WWF der zentralen Ergebnisse

Frankfurt (ots)

Die Zuteilung der Emissionsberechtigungen im
Rahmen der Erstallokation erfolgt für die Perioden 2005-07 und
2008-12 kostenlos (Grand-fathering). Als Basisperiode dient für alle
Anlagen, die bis zum 31.12.1999 in Betrieb gegangen sind, der
Zeitraum 1. Januar 2000 bis zum 31. Dezember 2002. Für Anlagen bzw.
Anlagenerweiterungen, die zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 31.
Dezember 2000 in Betrieb gegangen sind, dient als Basisperiode der
Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2003. Für Anlagen
bzw. Anlagenerweiterungen, die zwischen dem 1. Januar 2002 und dem
31. Dezember 2004 in Betrieb gegangen sind bzw. gehen, erfolgt die
Ermittlung der Zuteilung an Emissionsberechtigungen auf der Grundlage
angemeldeter Daten. Hier wird eine Ex-post-Korrektur vorgenommen.
1. Gesamtallokation von EU-Zertifikaten in Deutschland
Knapp 59 % der Emissionen der deutschen Wirtschaft werden von der
EU- Emissionshandels-Richtlinie umfasst. Bis 2012 müssen hier 13
Millionen Tonnen CO2 reduziert werden.
503 Millionen EU-Zertifikate werden in Deutschland für den
Zeitraum 2005-07 zugeteilt. Dies entspricht einem Reduktionsziel bis
2007 von 0,4 % gegenüber 2000-2002.
495 Millionen EU-Zertifikate werden in Deutschland für den
Zeitraum 2008-12 zugeteilt. Dies entspricht einem Reduktionsziel bis
2012 von ca. 2 % gegenüber 2000-2002.
Unter der Annahme, dass der Preis pro Zertifikat zwischen 5 und 15
Euro liegt, weist dieser Pool einen Wert von 2,5 - 7,5 Milliarden
Euro auf.
Die Zielsetzung für Deutschland nach dem Kyoto-Protokoll lautet im
Zeitraum 2008-12 den Treibhausgas-Ausstoß gegenüber 1990 um 21 % zu
reduzieren, gegenüber 2000-2002 entspricht dies 2,9 %.
WWF-Bewertung: Die deutsche Industrie hat in ihrer freiwilligen
Selbstverpflichtung von 2001 eine Reduktion ihrer CO2-Emissionen um
45 Mio t bis 2010 ge- genüber 1998 zugesagt. Von 1998 (508 Mio t )
sollten somit bis 2010 die CO2-Emissionen auf 463 Mio t CO2 reduziert
werden. Von dieser ur- sprünglichen Zusage ist nur noch etwa ein
Drittel übrig geblieben.
2. Behandlung von "New Entrants" (Neueinsteigern) Neueinsteiger
sollen (für die Stromerzeugung) mit einem Benchmark von max. 750 g
CO2/kWh aus-gestattet werden (sogenannte Drittelregelung: 1/3 Gas;
1/3 Steinkohle; 1/3 Braunkohle), aber nach Stand der Technik. Die
Anlagen können dann 14 Jahre ohne Reduktionsverpflichtung betrieben
werden.
WWF-Bewertung: Vernünftig wäre ein
Gas-und-Dampfkraftwerk-Benchmark (GuD) in Höhe von 365 g CO2/kWh
gewesen, um neuen Marktteilnehmern keine Markteintrittsbarriere
aufzubauen, trotzdem aber eine Lenkungswirkung der Investitionen in
CO2-arme Energieträger zu erreichen. Mit 750 g CO2/kWh wurde ein
Benchmark etabliert, der sich an Steinkohle orientiert. Eine
Lenkungswirkung in CO2-arme Energieträger findet nicht statt.
3. Behandlung von Ersatzanlagen (Lex RWE) Kraftwerksbetreiber, die
eine Anlage ersetzen, können die Zertifikate ihrer alten Anlage vier
Jahre in vollem Umfang auf die neu errichtete Anlage übertragen und
dann die Anlage 14 Jahre ohne Reduktionsverpflichtung
weiterbetreiben.
WWF-Bewertung: Mit diesen beiden Neuanlagen-Regelungen werden die
marktwirtschaftlichen Anreize, in CO2-arme Energieträger zu
investieren, nahezu eliminiert. Der Stand der Technik wird auf 18
bzw. 14 Jahre festgeschrieben. Ein Business-as-usual Szenario mit dem
forcierten Zubau von Kohlekraftwerken ist möglich. Die
Internalisierung externer Kosten findet so gut wie nicht statt.
Richtig wäre eine längere Periode der Übertagung und ein kürzerer
Zeitraum ohne Reduktionsanforderung (z. B. nur 5 statt 14 Jahre)
gewesen.
4. Modernisierungsanreiz: Anlagen, die älter als 30 Jahre sind und
deren Wirkungsgrad 31 % bei Braunkohle und 36 % bei Steinkohle nicht
übersteigt, erhalten eine zusätzliche Reduktionsanforderung von 15 %.
WWF-Bewertung: Der Ansatz ist richtig, aber hier ist man gerade
RWE weit entgegengekommen. Viele von deren Braunkohle-Anlagen sind
zwar älter als 30 Jahre, der Wirkungsgrad liegt jedoch meist wenig
über 31 %.
Zusammenfassung: Die Reduktionsziele haben sich weit von der
Kraftwärmekopplungsvereinbarung aus dem Jahr 2001 entfernt. Statt 45
Mio t CO2 müssen nun nur noch 13 Mio t CO2 reduziert werden. Es gibt
so gut wie keine Anreize, in effizientere Technologien und CO2-arme
Energieträger zu investieren. Der Stand der Technik wird auf 14 bzw.
18 Jahre fest geschrieben.
ots-Originaltext: WWF World Wide Fund For Nature
Digitale Pressemappe: 
http://www.presseportal.de/story.htx?firmaid=6638
Kontakt und Interviews:
Regine Günther, Energiepolitik und Klimaschutz WWF Deutschland, 
Mobil: 0160/90 63 82 48,
Ralph Kampwirth, Pressestelle WWF Deutschland, 0151/12151086

Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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