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WWF und NABU: Kabelverlegung im Wattenmeer bedroht Brandgänse

    Husum (ots) - Mit heftiger Kritik reagierten die Umweltverbände
WWF und NABU auf die heutige Entscheidung der Landesregierung
Schleswig-Holsteins, der Firma E.ON den Bau eines Starkstromkabels
quer durch das Mausergebiet der Brandgänse im Nationalpark Wattenmeer
zu genehmigen. Rund 200.000 Brandgänse wechseln jedes Jahr im Juli
und August ihr Federkleid in dem betroffenen Bereich des
Nationalparks zwischen der Vogelinsel Trischen und der Elbmündung.
Das Kabel soll Norwegen mit Deutschland verbinden und in Brunsbüttel
ans Stromnetz angeschlossen werden.
    
    Jetzt ist genau die Jahreszeit, wo riesige Schwärme von
Brandgänsen in dem Gebiet der geplanten Kabeltrasse mausern und dabei
flugunfähig sind. Sie kommen dort aus ganz Europa zusammen, weil sie
in der Mauserzeit sehr empfindlich sind und das Watt zwischen
Trischen und der Elbmündung der bislang am wenigsten gestörte Bereich
des Wattenmeeres ist. "Die Verlegung des Kabels, Störungen beim
späteren Betrieb, elektromagnetische Felder und das Risiko eines
Durchbruchs der Elbe in das dortige Wattgebiet können zur Vertreibung
der Brandgänse aus ihrem Mausergebiet führen", sagte Hans-Ulrich
Rösner, Leiter des Wattenmeer-Büros vom WWF. "Genau hiervor soll der
Nationalpark eigentlich schützen, wenigstens in einem solchen
Schutzgebiet müssen Tiere auch ihre Ruhe vor industriellen Bauten
haben!", ergänzte Hermann Schultz, Landesvorsitzender des NABU.
    
    Für die Umweltverbände macht Umweltminister Müller mit seiner
Entscheidung den Nationalpark zu einem Spielball der Energiekonzerne.
Er setzt damit ein schlechtes Zeichen für die kommenden Jahre, wenn
auch Anträge auf Kabelbauten für Offshore-Windparks zu erwarten sind.
Diese Planer werden sich vermutlich gar keine Mühe mehr mit der Suche
nach einer alternativen Trassenstrecke machen, wenn die rot-grüne
Landesregierung den Nationalpark in dieser Weise zur Verkabelung
freigibt.
    
    Der heutigen Entscheidung gingen jahrelange Debatten und ein
Dialogverfahren voraus, bei dem von Seiten der Naturschutzverbände
immer wieder versucht wurde, den planenden Energiekonzernen eine
Trassenführung außerhalb des Nationalparks ans Herz zu legen. Eine
Möglichkeit wäre es z.B., das Kabel am Rande des Elbfahrwassers zu
verlegen oder insgesamt eine Route unter Umgehung des Wattenmeeres zu
wählen. Bis zu der heutigen Genehmigung ist es jedoch nicht zu
ernsthaften Prüfungen dieser Alternativen gekommen. Da das
Brandgans-Mausergebiet nicht nur Teil des Nationalparks Wattenmeer
ist, sondern auch als europäisches Schutzgebiet gemeldet ist, wären
solche Alternativen-Prüfungen jedoch zwingend erforderlich gewesen.
    
    
ots Originaltext: WWF
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Weitere Informationen:
Dr. Hans-Ulrich Rösner,
Leiter WWF-Projektbüro Wattenmeer,
Husum,
Tel.: 0 48 41/6 20 73

Ingo Ludwichowski,
Landesgeschäftsführer
NABU Schleswig-Holstein,
Tel. 0 43 21/5 37 34

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