WWF World Wide Fund For Nature

Wenig Gewinn für die Schifffahrt - große Verluste für die Natur
Umweltverbände in großer Sorge um die Elbe in Magdeburg

    Magdeburg (ots) - Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des
Bundes diskutierte am Mittwoch und Donnerstag mit ca. 60 geladenen
Behördenvertretern, Vertretern der  Naturschutzverbände sowie
betroffenen Bürgern ihre Pläne zum Ausbau der Elbe in Magdeburg. Nach
den Vorstellungen der Schifffahrt sollen der Herrenkrugfelsen, der
Strombrückenfelsen und der Domfelsen um bis zu 1,40 m abgemeißelt und
die Schifffahrtsrinne unterhalb des Domes auf fast das Doppelte
verbreitert werden.
    
    Sichere Folge des geplanten Ausbaues ist nach den vorgelegten
Gutachten ein Absinken der Elbwasserstände und eine Gefährdung
ökologisch wertvoller Feuchtgebiete und Auenwälder vor allem im Süden
Magdeburgs. Besonders betroffen sei auch die Alte Elbe, die künftig
seltener durchströmt wird und wo wichtige Fischlaichplätze gefährdet
sind. Für die Naturschutzverbände sind die geplanten
Strombaumaßnahmen in Magdeburg ein weiteres Glied in der Kette
schleichender Negativveränderungen der Natur an der Mittelelbe, die
seit kurzem auch europaweit geschützt ist. "Die natürliche Situation
an der Elbe setzt einem aus wirtschaftlicher Sicht wünschenswertem
Ausbauzustand Grenzen", stellte deshalb Jürgen Roth vom WWF fest.
Diese Grenzen gelte es zu berücksichtigen.
    
    Der Ausbau ermöglicht der Schifffahrt ein leichteres Durchfahren
der strömungsreichen Stadtstrecke. Weiterhin verkürzt sich damit vor
allem der jährliche Zeitraum, in dem Frachtschiffen das Passieren der
Stadtstrecke aufgrund zu geringer Wasserstände nicht möglich ist.
Dennoch wird es auch nach diesen Plänen weiterhin Ausfallzeiten für
die Schifffahrt geben.
    
    Uneinigkeit herrschte deshalb über den grundsätzlichen Bedarf der
Ausbaumaßnahmen. Die Position der Naturschutzverbände faßte Winfried
Lippoldes, Landesvorsitzender des NABU, mit den Worten zusammen:
"Diese Verbesserungen machen die Elbeschifffahrt nicht wirklich
konkurrenzfähig gegenüber dem Lkw und der Bahn". So prognostizieren
Verkehrsexperten in den nächsten Jahren einen Zuwachs um mindestens
30 % beim Lkw-Verkehr, bei gleichzeitiger Abnahme des auf dem Schiff
transportierten Güteranteiles.
    
    Angesichts des schützenwerten Zustandes der Elbe und ihrer
angrenzender Feuchtgebiete im Stadtgebiet Magdeburg fordern die
Verbände:
    - Beim weiteren Ausbau der Stadtstrecke der ökologischen
Verträglichkeit Vorrang einzuräumen gegenüber den verkehrstechnischen
Anforderungen der Elbeschifffahrt.
    
    - Eine Verschlechterung desWasserhaushaltes insbesondere durch ein
weiteres Absinken der Wasserstände in der Elbe ist sicher
auszuschließen.
    - Die Vermeidung von Schäden in den kulturhistorisch wertvollen
Landschaftsparken an der Magdeburger Elbe, insbesondere
Herrenkrugpark, Rotehornpark und Klosterbergegarten.
    - Eine stärkere Einflußnahme des Landes Sachsen-Anhalt bei
Strombaumaßnahmen und Unterhaltungsarbeiten des Bundes an der Elbe
zur Sicherung des Naturpotentials.
    
    
ots Originaltext: Umweltstiftung WWF-Deutschland
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Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Umweltstiftung WWF-Deutschland, Elbe-Projektbüro, Jürgen Roth,
Tel. 0177-5326540
Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Sachsen-Anhalt, Winfried
Lippoldes,
Tel. 03921-985216
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband
Sachsen-Anhalt,
Dr. Ernst Paul Dörfler, Tel. 039244-290
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Sachsen-Anhalt, Dr.
Ehlert Natzke,
Tel. 0391-7396933
§ 29-Büro der anerkannten Naturschutzverbände in Sachsen-Anhalt,
Renate Holzäpfel, Tel. 0391-5410590

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