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23.09.2003 – 10:30

BGA Bundesverb. Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.

Ergebnisse BGA-Unternehmensbefragung vorgestellt: Großhandel kämpft sich aus der Krise - keine Beschäftigungsimpulse

    Berlin (ots)

"Die Hoffnungen auf bessere Geschäfte liegen in der
Zukunft." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes
des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), heute in Berlin bei der
Vorstellung der aktuellen BGA-Unternehmerumfrage.  
    
    Im ersten Halbjahr 2003 scheint sich die Geschäftslage im
Großhandel erstmals stabilisiert zu haben. Die Umsätze der gesamten
Branche legten trotz Rezession um 0,3 Prozent zu, wobei sich das
Wachstum im zweiten Quartal allerdings bereits wieder deutlich
abschwächte. Für das Gesamtjahr rechnet Börner bei einem
stagnierendem Bruttoinlandsprodukt mit einem leichten Zuwachs der
Großhandelsumsätze von 0,1 Prozent - vorausgesetzt, dass die
Weltwirtschaft an Fahrt gewinnt und der Euro nicht erneut abrupt
aufwertet. Für 2004 erwartet der BGA-Präsident, dass der Großhandel
mit einem Plus von einem Prozent oberhalb des Binnenwachstums liegen
wird. "Dieses Ergebnis können wir noch nicht bejubeln, da
Investitionen und Beschäftigung weiter zurückgingen. Seit Beginn des
Jahres wurden schätzungsweise 32.000 Vollbeschäftigungsverhältnisse
abgebaut", so Börner. Das Investitionsklima wird sich auch in den
kommenden Monaten nicht verbessern. Selbst bei positiveren
Geschäftsaussichten stufen über 90 Prozent der Unternehmen ihre
Kapazitäten als ausreichend ein. Ein Beschäftigungseffekt ist daher
nicht zu erwarten: Nur 8 Prozent der Firmen bestätigten,
Neueinstellungen vornehmen zu wollen. Über 80 Prozent der
Großhandelsunternehmen machen strukturelle Probleme der deutschen
Volkswirtschaft für die schlechte Geschäftslage verantwortlich. 90
Prozent der Betriebe führen diese Verschlechterung auf zu hohe
Lohnnebenkosten zurück. Als ein weiteres Haupthindernis bei der
unternehmerischen Expansion und der Innovationsfähigkeit wurde die in
Deutschland vorherrschende Regulierungsdichte angegeben. Börner
fordert daher, den "Masterplan Bürokratieabbau" zu beschleunigen.
Auch das Vertrauen in die Finanzpolitik hat stark gelitten: Drei
Viertel der Unternehmen glauben, dass die von der Regierung
beschlossenen Steuerrechtsänderungen - dabei handelt es sich um
insgesamt 27 Gesetzesvorhaben - nicht dazu beitragen werden, das
Wachstum anzukurbeln. 80 Prozent befürchten, dass die Belastungen
nicht sinken, sondern sogar weiter steigen werden. Nach einer
kurzzeitigen Entlastung im kommenden Jahr führen die Reform der
Gewerbesteuer, das
    
    Haushaltsbegleitgesetz und die Umsetzung der Protokollerklärung in
den Jahren 2005 - 2007 zu Steuererhöhungen von fast 45 Milliarden
Euro. Börner fordert eine perspektivische Steuerpolitik, die zu mehr
wirtschaftlicher Dynamik führt und mit modernen und einfachen
Regelungen verbunden ist. 87 Prozent der Unternehmen unterstützen den
Abbau von Subventionen, wenn auf der anderen Seite Steuern und
Abgaben zurückgeführt werden. Ein Haupthemmnis der deutschen
Wirtschaft bleiben die Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt: Für knapp
80 Prozent der Großhandelsunternehmen reicht die in der Agenda 2010
angekündigte Neuregelung des Kündigungsschutzgesetzes nicht aus, um
Neueinstellungen vorzunehmen. Hier fordert der BGA-Präsident eine
Erhöhung des Schwellenwertes von derzeit 5 auf 50 Arbeitnehmer. Zudem
dürfe der Kündigungsschutz erst nach einer Betriebszugehörigkeit von
24 Monaten greifen. Die Tarifrunde 2003 im gesamten Handel habe
gezeigt, dass die Gewerkschaft ver.di nicht bereit ist,
tarifvertragliche Öffnungsklauseln zu vereinbaren. Der Bundeskanzler
sei daher aufgefordert, seine Ankündigung in der Agenda 2010 in Taten
umzusetzen: Zur Flexibilisierung der Tarifverträge bedürfe es
dringend sogenannter gesetzlicher Tariföffnungsklauseln. "Mit den
unter dem Namen Agenda 2010 zusammengefassten Maßnahmen hat die
Regierung die Weichen ein kleines Stück weit in die Richtung
Erneuerung und langfristiges Wachstum bewegt. Nun muss endlich
erkennbar werden, ob die SPD diese Weichenstellung vollziehen will",
so Börner.  Damit der Erneuerungsprozess an Dynamik gewinnt und unser
Land einen langfristig höheren Wachstumspfad erreichen kann, müssten
die Weichenstellungen noch viel weiter gehen. "Die Deutschen, die
derzeit auf einen Aufschwung warten, müssen ihn sich im Fernsehen
anschauen", so der BGA-Präsident abschließend.
    
    
ots Originaltext: BGA Bundesverband des Deutschen Groß- und
Außenhandels
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


Ansprechpartner:
André Schwarz
Pressesprecher
Telefon: 030/ 59 00 99 520
Telefax: 030/ 59 00 99 529

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