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18.07.2012 – 13:44

NDR Norddeutscher Rundfunk

Neues Ermittlungsverfahren gegen mutmaßlichen NS-Verbrecher - Verdächtiger Siert B. lebt seit Jahren ungestört in Nordrhein-Westfalen

Hamburg (ots)

Der Dortmunder Staatsanwalt Andreas Brendel hat dem ARD-Politikmagazin "Panorama" bestätigt, dass seine Behörde bereits am 29. März 2012 ein Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts gegen den aus Holland stammenden, in Breckerfeld (bei Hagen) lebenden Siert B. eingeleitet hat. Er soll am 21. September 1944 gemeinsam mit einem mittlerweile verstorbenen SS-Mann den bereits vom "Sicherheitsdienst" der deutschen SS gefangen genommenen holländischen Widerstandskämpfer Aldert Klaas Dijkema erschossen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits früher gegen B. ermittelt, doch die Staatsanwaltschaft Dortmund hat dann den Fall am 4. November 1978 eingestellt. Dies begründete sie im wesentlichen mit einem weiteren Verfahren der Staatsanwaltschaft Oldenburg, welches bereits am 29. Oktober 1963 eingestellt worden war. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte damals die heimtückische Tötung des Aldert Klaas Dijkema abgelehnt und dabei die bewusste Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers verneint. Später - im Jahr 1980 - wurde B. vom Landgericht Hagen in einem anderen Fall verurteilt: wegen Beihilfe zum Mord in zwei Fällen zu sieben Jahren Haft. Doch die Tötung von Dijkema blieb bis heute ungesühnt.

Für die neuen Ermittlungen wesentlich ist eine neue Rechtsprechung. So wurde 2010 in einer Aachener Gerichtsentscheidung erstmals die Erschießung von Widerstandskämpfern als Mord bewertet - bislang wurden solche Tötungen als "kriegsbedingte Repressalien" von der Morddefinition ausgenommen. Staatsanwalt Andreas Brendel erklärt in "Panorama": "Anknüpfend an die ständige Präzisierung des schwierigen Mordmerkmals 'Heimtücke' durch die Rechtsprechung und des durch den Bundesgerichtshof bestätigten Urteils in Aachen bin ich zu der Auffassung gelangt, dass (...) durchaus die Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit gegeben sein kann."

Die Staatsanwaltschaft Dortmund wurde auf den Fall B. wieder aufmerksam durch Berichterstattung im holländischen Fernsehen und nachfolgende Recherchen von "Panorama".

Pressekontakt:

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Ralf Pleßmann
Telefon: 040 / 4156 - 2333
Fax: 040 / 4156 - 2199
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