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Allg. Zeitung Mainz: Teufelskreise
Reinhard Breidenbach zum Lkw-Fahren

Mainz (ots) - Sie bewegen sich, die europäischen Politiker, immerhin. Ihre Aufgabe: die Quadratur des Kreises. Fast unmöglich. Aber das heißt nicht, dass man es nicht probieren müsste. Die Situation: Ein vietnamesischer Trucker fährt in einem litauischen Lkw monatelang durch Europa, für 300 Euro oder Dollar. Westliche Unternehmer nennen das einen "schmutzigen Wettbewerb". Zu Recht. Der litauische Unternehmer verweist auf die Dienstleistungsfreiheit in der EU sowie darauf, dass deutsche Unternehmer auch nicht immer zimperlich sind, wenn es darum geht, um der Gewinne willen zu tricksen. Der deutsche Autofahrer betet gemeinsam mit der deutschen Polizei, dass der Fahrer aus Vietnam oder verstärkt aus Osteuropa, vielleicht gequält von Einsamkeit nicht zur Schnapsflasche greift und sein Gefährt zur rollenden Zeitbombe macht. Die Polizei kontrolliert, zu Recht, verschärft und stößt bisweilen auf 3 und mehr Promille. Oder wird zu Unfällen mit Toten gerufen - ein Bild des Grauens. Westeuropäische Fahrer sind stinkesauer, weil ihre Kollegen aus dem Osten für Dumpinglöhne arbeiten. Die Kollegen aus dem Osten sagen, dass sie lieber für Löhne arbeiten, die im Westen Dumpinglöhne sind, als ihre Familien hungern zu lassen. Mehrere Teufelskreise auf einmal, ein Formel 1-Rennen ist harmloser. Da müssen Europas Politiker noch viel kurbeln, um das Schlimmste zu verhindern. Er ist ja ganz schön, der freie Markt. Aber wenn der Markt zum Monster wird, muss er gezähmt werden. Eines kommt oft noch hinzu: Gangstertum oder kriminelle Fahrlässigkeit. Da darf es überhaupt kein Pardon geben, schon gar nicht bei Promille, profillosen Reifen oder defekten Bremsen.

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