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Allg. Zeitung Mainz: Hypothek
Kommentar von Friedrich Roeingh zu Merkels vierter Wahl

Mainz (ots) - Totgesagte leben länger, und Demütigungen ist diese Frau bekanntlich gewohnt. Gleichwohl sind die 35 Stimmen, die Angela Merkel bei ihrer vierten Kanzlerin-Wahl fehlten, eine schwere Hypothek. Natürlich wird auch diese Schlappe im unaufhörlichen Strom der Krisen und Ereignisse bald schon in den Hintergrund treten. Und doch sieht alles danach aus, dass sie viel stärker nachwirken wird, als die ähnlich hohe Zahl der Abweichler, die Merkel bei jeder ihrer vorherigen Wahlen hinnehmen musste. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wollten diesmal einige Abgeordnete der Union "ihrer" Kanzlerin durch die Blume signalisieren: "Sorg' für einen ordentlichen Übergang. Noch einmal die vollen vier Jahre müssen nun wirklich nicht sein." Dramatischer scheint allerdings, dass sich die SPD-Führung auf einen erklecklichen Teil ihrer Abgeordneten nicht verlassen kann. Der Streit um GroKo oder NoGroKo wirkt stärker nach, als ihr lieb sein kann. Offenbar ist die Verunsicherung in der Partei so groß, dass sich erst noch herausstellen muss, ob mit ihr noch ein Staat zu machen ist. Die Genossen müssen es in ihrem bewundernswerten Hang zur Debatte und ihrem verhängnisvollen Hang zur Selbstzerfleischung schaffen, zu regieren, sich zu erneuern und zugleich wieder an die Lebenswirklichkeit ihrer Wähler heranrücken. Eine Herkulesaufgabe. Gelingt ihnen das nicht, steht nicht nur die Zukunft der Partei auf dem Spiel. Ohne eine handlungsfähige, ohne eine relevante Sozialdemokratie ginge die Bundesrepublik Deutschland äußerst heiklen Zeiten entgegen.

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