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Allg. Zeitung Mainz: Missbraucht
Kommentar von Lars Hennemann zu Katalonien

Mainz (ots) - Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont ist ein Hasardeur: Er treibt Hunderttausende in unerfüllbare Hoffnungen hinein. Ohne Konzept, ohne Gesetz, ohne Aussicht auf Erfolg - was immer man darunter überhaupt zu verstehen hätte. Die Wirtschaft stimmt folgerichtig mit den Füßen ab. Fatal ist, dass auf der anderen Seite Mariano Rajoy steht. Ein politischer Zombie, der Spanien seit Jahren nicht nur wegen Katalonien spaltet und mehrfach an den Rand der Unregierbarkeit geführt hat. Natürlich hat er nichts Besseres zu tun (und das Recht dabei auf seiner Seite), als den ganz großen Verfassungsknüppel zu schwingen. Die Frage ist nur, ob Recht hier auch in Gänze richtig bedeutet. Eine Region ist etwas, was man Menschen nicht erklären muss. Regionales ist emotional, gelebt, geliebt, gefühlt. Diese - von Puigdemont missbrauchten - Gefühle werden nicht verschwinden. Im Gegenteil: Ein aus Regionen gebildeter Nationalstaat wie Spanien ist trotz allen Stolzes, den er bei seinen Bürgern ebenfalls hervorrufen kann, immer etwas Kaltes, Mächtiges. Er wird wegen der Art und Weise, wie er auftritt, akzeptiert - oder abgelehnt. Wenige Länder wissen dies aus ihrer Historie heraus so gut wie Deutschland. Aber auch Frankreich oder Italien haben einen solchen Weg hinter sich. Deshalb ist jetzt Europa gefragt. Die überforderten Streithansel in Barcelona und Madrid müssen schleunigst mit klarer Zielstellung dazu gebracht werden, miteinander zu reden. Ansonsten wird Katalonien zur iberischen Tragödie. Und der missbrauchte Regionalismus würde wegen dieser Tragödie auch andernorts ungesunde Früchte tragen.

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