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Allg. Zeitung Mainz: Risiken
Kommentar zu Kurden/Bundeswehr
Von Reinhard Breidenbach

Mainz (ots) - Wer entscheidet, geht Risiken ein. War es 2014 richtig, dass Deutschland den Kurden für den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) Waffen lieferte? Ja! Der IS wütete bestialisch, die Peschmerga-Kämpfer waren ein wichtiges Bollwerk. Genauso richtig war, dass Bundeswehrsoldaten kurdische Truppen ausbildeten. Nun hat sich das Bild verändert. Der IS ist weitgehend besiegt. Das ist - auch wenn es nicht im Entferntesten das Ende aller Probleme bedeutet - eine sehr gute Nachricht. Jetzt gibt es neue Frontlinien: Die Kurden wollen Unabhängigkeit und werden von der irakischen Zentralregierung bekämpft. Deshalb liegt die Ausbildungsmission der Bundeswehr auf Eis; deutsche Waffen sind dagegen mitten im Geschehen. Bedeutet: Ob Bundesregierung und Bundestag die deutsche Irak-Mission verlängern, ist mehr als fraglich - zu Recht, denn zugespitzt formuliert würde Deutschland für einen unabhängigen Kurdenstaat kämpfen, wenn die Bundeswehr weiterhin kurdische Kämpfer ausbildete. Sinnlos wäre dagegen ein Jammern darüber, dass die Kurden deutsche Waffen nun für Zwecke benutzen, für die sie vor drei Jahren nicht vorgesehen waren. Schließlich kann man die Waffen schlecht wieder einsammeln. Bis 1990 waren Auslandseinsätze der Bundeswehr tabu - aus gutem Grund. Das vereinte Deutschland stellt sich auch militärisch einer größeren Verantwortung. Dass von der vorsichtig Gebrauch gemacht wird, ist aller Ehren wert. Die Vorsicht darf sich jedoch nicht zur Hysterie wandeln. Und eine Anti-Auslandseinsatz-Politik stünde auch einer Jamaika-Koalition schlecht zu Gesicht.

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