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Allg. Zeitung Mainz: Verkauft
Kommentar zu Gerhard Schröder
Von Christiane Stein

Mainz (ots) - Ist der Posten des Aufsichtsratschefs bei Rosneft wirklich ein Angebot, das Gerhard Schröder nicht ablehnen konnte? Mitnichten. Der gut gelaunte Altkanzler vermittelte beim ersten Auftritt an der Spitze des umstrittenen russischen Konzerns keineswegs das Bild eines Mannes, der - so die eigentliche Aufgabe eines Aufsichtsgremiums - ein Unternehmen kontrollieren und bei Zweifeln am Geschäftsgebaren korrigieren wird. Offiziell ist Schröder bei Rosneft jetzt der "unabhängige Direktor". Doch bei Gegenspielern wie Kreml-Chef Putin und Konzern-Chef Setschin dürfte sich wohl selbst ein Gerhard Schröder überschätzen, wenn er glaubt, die Richtung vorgeben zu können. Selbstverständlich kann es nicht schaden, den direkten Kontakt auch mit schwierigen politischen Gegnern zu suchen und Beziehungen zu stabilisieren. Doch für die Rolle als Friedenstifter allein wirft Schröders Engagement zu viele Fragen auf. Seine Argumentation hinkt in mehreren Punkten. So will er das Amt als Tätigkeit eines Privatmannes verstanden wissen. Doch hätte ein Privatmann Schröder ohne eine politische Vergangenheit als Kanzler der Bundesrepublik je die Chance bekommen, Rosneft-Aufsichtsratschef zu werden? Und warum verquickt er Politisches und Privates sofort nach Ernennung und fordert die Lockerung der Sanktionen gegen Russland? Auch die Dotierung des neuen Jobs, wie viele hunderttausend Dollar es auch immer sein mögen, hat einen Beigeschmack. Schließlich soll die großzügige Versorgung von Altkanzlern denselben eigentlich Unabhängigkeit garantieren. Gerhard Schröder hat seine aber wohl gerade selbst verkauft.

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