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Allg. Zeitung Mainz: Gift
Kommentar zu Spanien/Katalonien
Von Reinhard Breidenbach

Mainz (ots) - Spanien, zum freien Westen gehörend, war unter Franco noch 30 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg eine Diktatur. Das hat im genetischen Code des Landes Spuren hinterlassen. Die diktatorische Art, wie Ministerpräsident Rajoy seine "Guardia Civil" jetzt gegen katalanische Bürger vorgehen ließ, war übel und eine Bankrotterklärung. Damit bestätigt sich einmal mehr, dass dieses wichtige Land seit langem deutlich unter seinen Möglichkeiten regiert wird. Dem Ziel, den katalanischen Autonomiebestrebungen einen Riegel vorzuschieben, haben die Polizeiknüppel massiv geschadet; das Prinzip der Verhältnismäßigkeit wurde da ein ums andere Mal mit Füßen getreten. Wenn Rajoy Angst um seinen Job hat, dann sind Schläge das Allerletzte - im wahrsten Wortsinn - womit er die bekämpfen darf. All dies ändert jedoch an einem nichts: Juristisch sind die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen illegal, weil sie der geltenden spanischen Verfassung zuwiderlaufen. Wirtschaftlich bergen sie enorme Sprengkraft für Spanien, für die EU, aber auch für Katalonien selbst, falls es selbstständig wäre - dafür aber den Euro verlöre und Zölle zahlen müsste. Nicht zuletzt: Politisch und menschlich betrachtet sind die katalanischen Pläne giftig. Sehr vieles deutet nämlich darauf hin, dass sie weniger von kulturellen und historischen Aspekten getrieben sind als vielmehr von dem - siehe oben: fragwürdigen - Gedanken, mehr Geld selbst behalten und weniger an die Zentralregierung und an andere Landesteile abgeben zu wollen. Das ist Anti-Solidarität pur. Und dass Kleinstaaterei in Zeiten der Globalisierung furchtbar daneben gehen kann, wird der Brexit beweisen.

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