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Allg. Zeitung Mainz: GAU-Gefahr
Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Atomkraftwerk Tihange

Mainz (ots) - Man traut seinen Ohren nicht: Jod-Tabletten werden verteilt, schon mal vorsorglich. Falls es zu einem "atomaren Ernstfall" kommt. Auf Deutsch: zu einer Kernschmelze. Wie 1986 in Tschernobyl. Aber diesmal geht es nicht um Tschernobyl, sondern um Belgien. Dort gibt es das Atomkraftwerk Tihange. Und das ist offenbar ein Schrottreaktor, eine Gefahrenquelle erster Ordnung. Von tausenden Mikrorissen ist die Rede. Und davon, dass sich die Bundesregierung bislang vergeblich bemühte, diesen Gefahrenherd zumindest vorläufig stilllegen zu lassen. Tihange ist kein Einzelfall. Traurige Berühmtheit erlangt seit geraumer Zeit auch der französische Reaktor Cattenom.

Tschernobyl, das war insofern Schicksal, als kein Mensch im Westen die damalige Sowjetunion dazu bringen konnte, wenigstens zu versuchen den Reaktor auf besserem Stand zu halten oder ihn gar abzuschalten. Aber Tihange und Cattenom - Belgien und Frankreich, sind wir denn nicht alle irgendwie zumindest ein bisschen EU? Und befreundete Nationen? Niemand will Öl ins Feuer gießen oder den Teufel an die Wand malen, aber was nutzt da die ganze Völkerfreundschaft, wenn sie nicht einmal dazu reicht, Schrottreaktoren aus dem Verkehr zu ziehen, damit nicht beim Freund und Nachbarn Jodtabletten verteilt werden müssen? Die Freundschaft reicht im Übrigen auch nicht, sich auf eine gemeinsame Flüchtlingspolitik zu einigen - das ist eine andere Geschichte, aber genauso traurig und skandalös. Das Ganze ist grotesk. Tut irgendjemand was Sinnvolles in dieser Lage? Etwas, das über - gut gemeinte - Jodtabletten hinausgeht?

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