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Allg. Zeitung Mainz: Rückgrat
Kommentar von Reinhard Breidenbach zu Erdogan und G20

Mainz (ots) - Was von den Kriminellen zu halten ist, die dem G 20-Gipfel mit "Welcome to Hell" drohen, das weiß die Bundesregierung; wie das mit Erdogan ist, dem Präsidenten eines Nato-Landes, erscheint dagegen noch nicht eindeutig klar. Ist er ein Zocker, der kaltblütig nur ausprobiert, bis zu welcher roten Linie er die EU und andere westliche Länder provozieren kann? Oder ist er ein wirklicher Faschist und damit bereit, im Zweifel um seiner eigenen Machtphantasien willen die Türkei ins Elend laufen zu lassen? Noch ist Erdogan ein Partner, obwohl er in seinem Land auf despotische Weise Menschenrechte verletzt und so ziemlich jede Regel der Demokratie bricht. Die Türkei, ein zu Recht stolzes und seit Jahrzehnten mit Deutschland freundschaftlich verbundenes Land, hat diesen Präsidenten genauso wenig verdient, wie die USA Trump verdient haben. Aber manchmal schlägt das Schicksal eben seltsame Volten. Dann heißt es, die Nerven zu behalten, gesprächsbereit zu sein und zugleich Rückgrat zu beweisen. Spät, aber nicht zu spät hat die Bundesregierung beschlossen, sich von Erdogan nicht am Nasenring durch die Arena führen zu lassen. Die im Grundgesetz verbriefte Meinungsfreiheit beinhaltet nicht das Recht, aufzuwiegeln. Und Erdogan wäre einer der Letzten, von dem Berlin verfassungsrechtliche Belehrungen bräuchte. Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Im Grunde ausschließlich wegen Erdogan verbietet sich derzeit eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Die Türkei ist wichtig, insbesondere geostrategisch, aber der Westen darf unter keinen Umständen erpressbar werden. Die Hoffnung: Manchmal wenden sich Dinge schneller zum Besseren, als man vermutet.

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