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Allg. Zeitung Mainz: Scheidungskind
Kommentar zu Schottland
Von Andreas Härtel

Mainz (ots) - Neun Monate nach dem Referendum in Großbritannien haben sich die Brexit-Gegner formiert. Da ist Ex-Premier Tony Blair, der zum friedlichen Widerstand aufruft und hofft, dass sich möglichst viele Briten hinter ihm versammeln. Und da sind die Schotten, die ihrer Drohung Taten folgen lassen und konkrete Schritte zu einem zweiten Referendum für die Unabhängigkeit von London vorbereiten. Das alles heißt aber nicht, dass nun der Loslösungsprozess des Vereinigten Königreichs von der EU ins Stocken gerät. Zwar könnten die Schotten demonstrieren, dass sich das Ergebnis einer Volksabstimmung jederzeit mit einer Wiederholung revidieren lässt. Noch ist aber nicht einmal klar, ob die Zentrale in London die erneute Abstimmung erlaubt. Und was Blair angeht, ist dieser bekanntlich seit dem Irak-Krieg dermaßen unbeliebt, dass man auf ihn keine Wetten abschließen sollte. Am wahrscheinlichsten bleibt deshalb dieses Szenario: Nach der Zustimmung des Parlaments zum Brexit-Gesetz leitet Premierministerin Theresa May zügig den Abnabelungsprozess ein. Dann wird schon bald zwischen London und Brüssel verhandelt - bis zur Trennung. Wer am Ende das Sorgerecht für das schottische Scheidungskind bekommt, steht zwar erst einmal in den Sternen. Aber May hat während der Verhandlungen noch genug Zeit, dem Norden entgegenzukommen. Höchstwahrscheinlich wird man sich in Edinburgh mit Kompromissen zufriedengeben. Denn der Austritt aus dem Königreich ist nur die extremste Option - und auch für Schottland nicht ohne Gefahren.

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