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Allgemeine Zeitung Mainz: Kopfüber
Kommentar zum Kulturschutzgesetz

Mainz (ots) - Das hat schon Symbolkraft. Da heizt ausgerechnet jener Künstler, der mit kopfüber gehängten Porträts berühmt wurde, die Debatte um die Reform des Kulturgutschutzgesetzes an. Georg Baselitz' medienwirksamer Protest gegen die Pläne von Kulturstaatsministerin Monika Grütters steht stellvertretend für die verzerrte Perspektive der Debatte. Eine Ministerin fordert angesichts von Plünderungen archäologischer Stätten schärfere Kontrollen für die Einfuhr von Antiken. So weit, so gut. Aber im Umkehrschluss den nun unstrittig in den letzten Jahren explodierenden Kunstmarkt regulieren zu wollen - und zwar dahingehend, dass bedeutende Werke Deutschland nicht mehr verlassen sollen - das ist zu kurz gedacht. Zum einen hat der globale Kunsthandel längst seine eigenen Gesetze. Zum anderen würden ausgerechnet die deutschen Künstler die Zeche bezahlen, weil sie international an Ansehen verlieren und ihre Arbeiten nur noch im Inland gehandelt werden könnten. In einer Zeit, in der Europa um Einigkeit ringt, die Brücken hochzuziehen und von intransparenten Gremien bestimmen zu lassen, welches Werk auf die Liste der "national wertvollen" Kulturgüter kommt, das hat einen ganz schlechten Beigeschmack. Und das nicht nur, weil diese Liste für die Kunst und die Künstler selbst kein Prädikat, sondern eine Einschränkung bedeutet. "Kunst und Kultur brauchen größtmögliche Freiheit, um sich entfalten zu können" steht auf Grütters' Homepage. Sie sollte das Thema also wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Denn was Kultur nicht braucht: restriktive Überregulierung, Entmündigung und unnützer Verwaltungsaufwand.

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