Jacobs University

Jenseits des Elfenbeinturms

Jenseits des Elfenbeinturms
Welche Auswirkungen hat ein Austauschjahr auf Jugendliche? Mit diesem Thema hat sich Regina Arant in ihrer preisgekrönten Dissertation beschäftigt.

Nein, als Ort der weltfremden Abgeschiedenheit stellt sie sich Forschung und Wissenschaft nicht vor. Sie will in engem Kontakt sein mit Menschen und ihrem Leben, sie will Gesellschaft mitgestalten - und zwar zum Besseren. "Was wir erforschen", sagt Dr. Regina Arant, "soll in der wirklichen Welt ankommen und den Menschen vor Ort helfen." Das gilt für ihre Forschungsarbeit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt ebenso wie für ihre Doktorarbeit, für die die 33-Jährige jetzt von den Unifreunden Bremen mit dem Bremer Studienpreis für herausragende Abschlussarbeiten ausgezeichnet wurde.

Insgesamt 846 Jugendliche aus Deutschland, die ein Schuljahr in einem von 33 Ländern weltweit verbracht haben, hat sie für ihre Promotion begleitet. Welche Auswirkungen hat ein solches Austauschjahr auf die Beziehung zum Heimatland, also auf die nationale Identität? Und wie entwickelt sich die Beziehung zum Gastland? Um diese Fragen zu untersuchen, hat die gebürtige Kölnerin die Jugendlichen vor, während und nach ihrem Aufenthalt befragt und sie somit insgesamt gut zweieinhalb Jahre begleitet. In ihrer englischsprachigen Arbeit mit dem Titel "Who You Are Depends on Where You Are - The Impact of a High School Year Abroad on the National and Host Country Identity of German Exchange Students" hat sie sowohl quantitative als auch qualitative Methoden verwendet und miteinander in Beziehung gesetzt. Für dieses aufwändige Studiendesign wurde die Dissertation bereits mit dem "Mixed-Methods-Preis" des Vereins zur Förderung Qualitativer Forschung ausgezeichnet.

Die Ergebnisse zeigten unter anderem, dass die emotionale Bindung ans Gastland als auch die aktive Auseinandersetzung mit der dortigen Kultur im Austauschjahr stark zunehmen, anschließend in der Regel jedoch wieder abflachen. Eine weitere Erkenntnis: "Die deutsche Identität festigt sich während eines Auslandsaufenthaltes", so Arant. "Jugendliche lernen, mit ihrer deutschen Herkunft umzugehen, sie erkunden sie und binden sich bewusst emotional." Eine vorübergehende bi-kulturelle Identität stärke letztlich die deutsche Identität während des Schüleraustauschs." Ergebnisse, die auch für das deutsche Komitee des gemeinnützigen Austauschnetzwerks "Youth for Understanding" interessant sind, mit dem sie für die Studie zusammenarbeitete.

Um das Miteinander in Bremen, nämlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ging es in einer Studie, die Regina Arant erst als Research Associate und dann als Postdoctoral Fellow am Department für Psychologie und Methoden der Jacobs University maßgeblich gestaltet hat. Die Arbeit im Auftrag der Bertelsmann Stiftung war eine Premiere: Mit der Befragung von 2.604 Menschen aus 78 Ortsteilen wurde der gesellschaftliche Zusammenhalt erstmals kleinräumig so umfassend untersucht. Gemeinsam mit einer Kollegin und unter Leitung von Prof. Klaus Boehnke war Regina Arant für wesentliche Aufgaben der Studie verantwortlich vom Entwurf des Fragebogens über die Koordination der Befragung durch ein Feldinstitut, die Auswertung und Aufbereitung der Daten sowie das Verfassen des Abschlussberichts.

"Die Ergebnisse haben uns begeistert, weil es in Bremen insgesamt gut um den Zusammenhalt bestellt ist. Es gibt nicht einige wenige Zentren des guten Miteinanders, starker Zusammenhalt findet sich über die ganze Stadt verteilt." Da zudem jeder Ortsteil eigene Stärken und Schwächen aufweist, bedeutet das aber auch: Es gibt keinen Königsweg, der sozialen Zusammenhalt garantiert. "Man muss sich die Gegebenheiten vor Ort anschauen, um Anhaltspunkte zur Verbesserung zu finden", sagt Regina Arant. Genau das macht sie nach wie vor bei Treffen mit Akteuren vor Ort, obwohl die Studie längst abgeschlossen ist.

Vertreter von Behörden und Politik, von Wohnungsbauunternehmen und aus dem Quartiersmanagement haben die Studie begleitet. Diese Verzahnung mit der "echten" Welt schätzt die Psychologin ebenso wie die Interdisziplinarität ihrer Arbeit. "Egal, was man erforscht, es gibt nicht nur eine Perspektive, sondern viele, die insgesamt dazu beitragen, dass wir besser verstehen, was wir untersuchen. Ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu durchleuchten, ist immer ein Gewinn."

Die Interdisziplinarität war ein Grund, weshalb sie zur Promotion aus Köln nach Bremen an die Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) kam, der von der Universität Bremen und der Jacobs University gemeinsam betriebenen Graduiertenschule. Dort unterrichtet Regina Arant, die auch im Chor der Jacobs University singt, den Wissenschaftsnachwuchs in Grundlagen der Sozialpsychologie und empirischen Forschungsmethoden. Auch die Internationalität ist ihr wichtig, sie selbst hat nicht nur in Köln, sondern auch an der Duquesne University in den USA und der University of Edinburgh in Schottland studiert.

Nach dem Abschluss einer weiteren Studie zum Zusammenhalt auf regionaler Ebene in Deutschland steckt sie derzeit mittendrin in einem neuen Forschungsprojekt im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Wieder geht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, diesmal liegt der Fokus jedoch auf dem konstruktiven Umgang mit Vielfalt in unserer Gesellschaft. Arm, reich, jung, alt, religiös oder atheistisch, in Deutschland geboren oder zugewandert: Welche Rolle spielt ein gutes Miteinander für die Akzeptanz verschiedener Vielfaltsgruppen? Und was lässt sich daraus ableiten? Mit Ergebnissen ist im Herbst 2018 zu rechnen.

Über die BIGSSS:

Die Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) wird gemeinsam von der Universität Bremen und der Jacobs University betrieben. An der Graduiertenschule für Sozialwissenschaften werden derzeit rund 110 Promovierende aus der ganzen Welt in den Kerndisziplinen Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie ausgebildet. Weitere Informationen unter: www.bigsss-bremen.de

Über die Jacobs University:

Die Jacobs University ist eine private, unabhängige, englischsprachige Universität in Bremen. Hier studieren junge Menschen aus der ganzen Welt in Vorbereitungs-, Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Internationalität und Transdisziplinarität sind die besonderen Kennzeichen der Jacobs University: Forschung und Lehre folgen nicht einem einzigen Lösungsweg, sie gehen Fragestellungen aus der Perspektive verschiedener Disziplinen an. Dieses Prinzip macht Jacobs Absolventen zu begehrten Nachwuchskräften, die erfolgreich internationale Karrierewege einschlagen. Weitere Informationen unter www.jacobs-university.de

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