Jacobs University

Die heilende Kraft der Rhododendren
Forscher der Jacobs University in Bremen sind Wirkstoffen für ein neues Antibiotikum auf der Spur

Von der Pflanze zu einem möglichen Arzneimittel. Forscher der Jacobs University in Bremen sind geeigneten Wirkstoffen aus Rhododendren auf der Spur. Weiterer Text über OTS und www.presseportal.de/pm/64113 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Jacobs University"

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Bremen (ots) - Jetzt blühen wieder die Rhododendren in den Gärten und Parks. Forscher der Jacobs University in Bremen sind überzeugt - in der Pflanze stecken die Wirkstoffe für ein neues Antibiotikum.

Nicht nur für Spaziergänger ist der Rhododendronpark in Bremen eine Attraktion. Auch Wissenschaftler der nahe gelegenen Jacobs University zieht die weltweit zweitgrößte Ansammlung genetischer Vielfalt von Rhododendren an. Seit rund zweieinhalb Jahren erforscht ein Team um den Mikrobiologen Matthias Ullrich, ob in den Pflanzen Wirkstoffe für neue Arzneimittel, für Antibiotika oder für die Krebsbehandlung, enthalten sind. Die Zwischenbilanz klingt mehr als ermutigend: "Wir sind mindestens einer neuartigen Substanz auf der Spur, die einmal als Antibiotikum eingesetzt werde könnte", sagt Professor Ullrich.

Schon römische Quellen berichten von der berauschenden Wirkung des Honigs der Pflanze, die ursprünglich aus dem Himalaja stammt. Extrakte aus ihren Blättern und Wurzeln wurden etwa in der traditionellen Medizin in Indien, der Türkei oder Indonesien zur Linderung von Infektionen, zur Senkung von Fieber oder zur Linderung von Unwohlsein eingesetzt. Eine intensive, wissenschaftliche Analyse ihrer Inhaltsstoffe und deren Wirkung gab es jedoch bisher nicht.

Ullrich erledigt sie nicht allein, er ist Teil eines fächerübergreifenden Teams, das gleichzeitig an den Proben arbeitet. Der Genetiker Dirk Albach analysiert die Erbsubstanz und ermittelt, um welche Art es sich genau handelt. Der Naturstoffchemiker Nikolai Kuhnert identifiziert die in den Pflanzen enthaltenen Substanzen. Die Zellbiologin Klaudia Brix untersucht ihre toxischen Eigenschaften und Ullrich selbst testet, wie die Inhaltsstoffe auf Bakterien reagieren.

"Dass vier Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an einem Thema arbeiten hat Pilotcharakter", betont Ullrich - und führt dies auf die Gegebenheiten der Jacobs University zurück. "Die Verzahnung macht die Universität aus. Wir sind klein, wir unterstützen uns, wir arbeiten am Zentrum für Molekulare Lebenswissenschaften unter einem Dach."

Für ihre Untersuchungen benötigt das Quartett lediglich wenige Blätter der Pflanze. Diese werden mit einem Mörser und mit flüssigem Stickstoff zerstampft. Ein grünliches Pulver entsteht, das mithilfe von Methanol konzentriert und weiter untersucht wird. Rund 600 verschiedene Substanzen haben die Forscher so extrahiert, von denen 120 genauer analysiert wurden.

"Mehrere haben eine klare antibakterielle Wirkung", sagt Ullrich. Die Substanzen werden dabei auch auf ihre Unschädlichkeit für menschliche Zellen getestet. Die Hoffnung, es möge ein Wirkstoff dabei sein, der die Zellteilung hemmt und somit als Krebsmittel dienen könnte, hat sich bislang jedoch noch nicht erfüllt.

Im Zentrum der Forschung steht ohnehin die Suche nach einem neuen pflanzlichen Antibiotikum. Der Bedarf für derartige Medikamente ist enorm. Immer mehr Keime entwickeln Resistenzen gegen die alten Mittel, insbesondere in Krankenhäusern. "Das ist ein Riesenproblem", sagt Ullrich.

Bis zur klinischen Erprobung neuer Medikamente auf Basis der Rhododendren wird es noch einige Zeit dauern. Im Dezember läuft das Forschungsprojekt aus, der Mikrobiologe will eine weitere Forschungsperiode beantragen. "Wir wissen, was die neuen Substanzen können. Aber wir verstehen ihre Wirkungsweise noch nicht." Drei bis fünf Jahre, schätzt er, könnte sie in Anspruch nehmen. Der Rhododendronpark in Bremen muss dabei keinen Kahlschlag fürchten. Wenn Ullrich und sein Team erfolgreich sein sollten, wird der neue Wirkstoff künstlich hergestellt - im Labor.

Forschungsorientiert, international und interkulturell - Die Jacobs University ist eine der führenden Universitäten in Deutschland. An der englisch sprachigen, privaten und staatlich anerkannten Hochschule leben und lernen Studierende aus 112 Nationen. Die Abschluss-Erfolgsquote ist mit rund 90% überdurchschnittlich hoch. Die Jacobs University gehört in unabhängigen Rankings regelmäßig zur Spitzengruppe der deutschen Universitäten.

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