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13.06.2006 – 13:30

Gruner+Jahr, STERN

stern: Pharmalobby verunglimpft unabhängige Medikamentenprüfer

Hamburg (ots)

Das von der Bundesregierung im Rahmen der
Gesundheitsreform beschlossene Institut für Qualität und 
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das den Nutzen von  
Medikamenten bewertet, steht unter Beschuss der Pharma-Lobby. In 
seiner neuen, bereits am Mittwoch erscheinenden Ausgabe enthüllt das 
Hamburger Magazin stern den Fall des angeblichen Medizinjournalisten 
Adel Massaad, der sich im April 2006 dem stern als Informant 
angeboten und angeblich belastendes Material über IQWiG und dessen 
Leiter Peter Sawicki zur Verfügung gestellt hatte. Massaad, der in 
Geldern das "Institut für Gesundheitsaufklärung (IFGA)" unterhält und
einen Newsletter zu Gesundheitsthemen herausgibt, soll dabei nach 
detaillierten Informationen, die dem stern vorliegen, allein von 
Januar bis März 2006 mehr als eine Million Euro von Pharmafirmen und 
PR-Agenturen erhalten haben. Massaad dementierte die Zahlungen nicht,
schaltete vergangene Woche aber einen Anwalt ein, um dem stern eine 
Veröffentlichung zu verbieten.
Hintergrund von Massaads Angriffen auf das IQWiG ist der aktuelle 
Streit um Analog-Insuline. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) aus 
Ärzten- und Kassenvertretern will am 18. Juli darüber entscheiden, ob
die Medikamente, die sich in Deutschland rund 400 000 Diabetiker 
spritzen, weiterhin von den Krankenkassen bezahlt werden, obwohl das 
IQWiG festgestellt hat, dass für diese Medikamente der "Zusatznutzen 
nicht belegt ist".
Die Entscheidung hat Präzedenzcharakter: Es wäre das erste Mal, 
dass der GBA mit Hilfe eines Gutachtens des IQWiG über die 
Verordnungsfähigkeit von Medikamenten entscheidet. Markus Leyck 
Dieken, Geschäftsführer der Pharmafirma Novo Nordisk, die 
Analog-Insuline herstellt, übte kurz vor der Entscheidung massive 
Kritik am Gemeinsamen Bundesausschuss. Gegenüber dem stern sagte 
Leyck Dieken, das Gremium sei für ihn eine "Thermoskannen- und 
Taschenrechner-Runde", die "die deutsche Apotheke leer räumen wird, 
bis die Auslage aussieht wie in Bulgarien 1978". Den Leiter des 
IQWiG, Professor Peter Sawicki und dessen wissenschaftliche Kollegen 
nennt der Pharmachef "seit Jahren bekannte Extremisten der Szene". 
Falls die Analog-Insuline künftig nicht mehr erstattet würden, koste 
das Novo Nordisk pro Jahr zehn Millionen Euro, schätzt Leyck Dieken.
Das IQWiG ist als unabhängige Stiftung konstruiert, beschäftigt 60
Mitarbeiter und wird von den Krankenkassen finanziert. Es prüft vor 
allem, ob es sich bei neuen Medikamenten um echte Neuheiten handelt 
oder um Scheininnovationen.
Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.
Für Rückfragen stern -Redakteur Markus Grill, Tel. 040-3703-2204

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