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BDI-Präsident Thumann für Gewinn- und Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer - Gemeinsam mit Gewerkschaften für Kombilohn und Reform der Mitbestimmung

    Hamburg (ots) - Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will der Gewinn- und Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer zum Durchbruch verhelfen. BDI-Präsident Jürgen Thumann kündigte in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern an: "Wir werden die Idee aufnehmen und gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden Vorschläge erarbeiten." Es sollten drei oder vier Modelle zur Auswahl gestellt werden. Die Wirtschaft rufe dabei aber nicht nach dem Staat, der "genug gefordert" sei. Man begrüße die Initiative, die Bundespräsident Horst Köhler in einem stern-Interview zur Jahreswende gestartet hatte und werde auch Kontakt mit der CDU-Kommission unter Vorsitz des nordrhein-westfälischen Sozialministers Karl-Josef Laumann aufnehmen, die nach der Sommerpause ein Konzept vorlegen will. "Wir sind völlig offen und gesprächsbereit und werden selbst aktiv werden", sagte Thumann. Ein Gipfeltreffen zwischen Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften zu diesem Thema im Herbst bezeichnete er als "gute Idee".

    Der BDI-Präsident gab zugleich bekannt, dass der Spitzenverband mit den Gewerkschaften Gespräche über die Einführung von Kombilöhnen und eine Reform der Mitbestimmung führt. Das Verhältnis zu den Gewerkschaften sei "entspannt und offen". In der vergangenen Woche habe er erstmals auch den IG Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters zu einem zweieinhalb¬stündigen Gespräch empfangen. Zu Kombilöhnen sagte Thumann: "Ich hoffe, dass es uns gelingt, in den nächsten Monaten ein oder zwei Modelle zu entwickeln, die Erfolg versprechen." Er könne sich dazu gemeinsame Vorschläge von BDI und DGB vorstellen. "Wir sind auf einem guten Weg." Thumann fügte hinzu: "Wir sollten den Kombilohn erst einmal austesten, zum Beispiel mit den Arbeitslosen, die jünger sind als 25 Jahre. Das sind rund 600.000 Menschen, die durchschnittlich 4,4 Monate und maximal anderthalb Jahre arbeitslos sind. Wenn das Modell einer staatlich geförderten Lohnzahlung hier funktioniert, ist der nächste Schritt, über die Älteren zu reden, über 50 plus." Er propagiere "eine Art negative Einkommensteuer" nach amerikanischem Vorbild, "also die Zahlung eines individuellen Zuschusses durch das Finanzamt". Außerdem denke man über Teilzeit¬modelle vor allem für junge Mütter nach. Intensiv diskutiert werde mit den Gewerkschaften auch über die Reform der Mitbestimmung. "Wir sind auf einem sehr guten Weg", sagte Thumann dem stern. Er glaube, dass es am Ende gelingen werde, sich auf gemeinsame Grundsätze dafür zu verständigen.

    Thumann appellierte in diesem Zusammenhang eindringlich an die Verantwortung der Unternehmen. "Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft, bei uns in Deutschland liegt die Betonung deutlich auf sozial", sagte er. "Die Entlassung kann nur das allerletzte Mittel sein, bevor das Unternehmen seine Existenz verliert. Fälle, in denen zu hart gegen die Menschen entschieden wird, in denen Entlassungen gar nicht notwendig sind, kann ich nicht begrüßen." Außerdem sollten diejenigen Unternehmen, die gut verdienten, auch bereit sein, "die Mitarbeiter verstärkt am Ergebnis teilhaben zu lassen".

    Der Großen Koalition stellte Thumann nach 100 Tagen im Amt ein gutes Zeugnis aus und korrigierte damit deutlich die anfänglich scharfe Kritik aus dem Unternehmerlager an der neuen Regierung. Die Föderalismus-Reform und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre seien "eine hervorragende Leistung", betonte der BDI-Präsident. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei "extrem engagiert und fleißig" und habe "großes analytisches Denkvermögen". Bei dem Spitzengespräch der Wirtschaft mit Merkel und Vizekanzler Franz Müntefering in der vergangenen Woche hätten die beiden "den klaren politischen Willen" bekundet, bei der geplanten Gesundheitsreform "erste Schritte" zur Abkoppelung der Krankenkassenbeiträge vom Einkommen zu unternehmen.

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