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Susanne Osthoff im stern: "Ich bin keine arme Irre"

    Hamburg (ots) - Die Archäologin berichtet erstmals in einem ausführlichen Interview über ihre Geiselhaft im Irak und ihren TV-Auftritt im Schleier: "Ich wollte mich eigentlich nur bedanken, und jetzt bin ich der Buhmann."

    "Ich glaube, die Deutschen hassen mich", sagte Susanne Osthoff in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern. "Keiner steht an meiner Seite, alle versuchen, mich als arme Irre darzustellen, die zwischen Bomben und Minen planlos durch den Irak hüpft."

    Sie habe während ihrer Geiselhaft im Irak "die Hölle erlebt" und sei nach ihrer Freilassung schlecht beraten worden, berichtete die Archäologin stern-Reportern bei dem Gespräch am Neujahrstag in Bahrein. Kritik übt sie an der deutschen Botschaft in Bagdad: "Die hätten mich doch auch mal in Schutz nehmen können, sagen, ich sei erschöpft und krank. Stattdessen erlebe ich jetzt eine Hetzkampagne, als hätte ich Deutschland etwas angetan."

    Dem arabischen Sender al-Jazeera in Katar habe sie als erstes ein Interview gegeben, weil die Geiselnehmer dies von ihr gefordert hatten, sagte Osthoff dem stern. "Die wollten, dass ich als Frau, die so lange in ihrer Gewalt war, öffentlich demonstriere, anständig behandelt worden zu sein." In Arabien sei das eine Frage der Ehre. Sie sei überzeugt, dass die Entführer einer Unterorganisation der al-Qaeda im Irak angehörten. Sie seien auffällig gut organisiert und über verschiedene Regionen, in denen sie gefangen gehalten wurde, vernetzt gewesen.

    Nach Osthoffs Aussagen im stern hätten ihr die Geiselnehmer gesagt, dass sie die Archäologin seit Mai 2005 im Visier gehabt hätten. Auslöser der Entführung sei der Regierungswechsel in Deutschland gewesen. Ihr Fahrer sei offenbar gefoltert und während der Aufnahmen für das Bekennervideo "wie ein wimmerndes Bündel neben sie gelegt" worden.

    Den schlechten Eindruck, den sie bei ihrem tiefverschleierten Interview im "heute-Journal" des ZDF hinterlassen habe, führt Osthoff im stern-Gespräch auf verschiedene Faktoren zurück. Sie habe noch unter dem Schlafentzug der Geiselhaft und den Nachwirkungen von Medikamenten gelitten. Zudem habe sie unter Stress gestanden, der durch den Termindruck verstärkt wurde und sei dann völlig unvorbereitet vor laufenden Kameras gelandet. "Dabei wollte ich mich eigentlich nur bedanken bei Deutschland. Und jetzt bin ich der Buhmann."

    Sie habe nie erklärt, dass sie in den Irak zurück wolle, sagte Susanne Osthoff. Ihr größter Wunsch sei, ihre Tochter wiederzusehen, die ihr Heiligabend einen als Fax übermittelten Brief geschrieben habe. "Ich freue mich so sehr, dass du in Sicherheit bist", heißt es in dem Brief, den der stern als Faksimile abdruckt: "Mama, eins wollte ich dir noch sagen: Ich hab dich fest lieb!"

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