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stern:Ex-Personalmanager Gebauer belastet Hartz in der VW-Affäre schwer

    Hamburg (ots) - Erstmals hat sich der frühere VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer detailliert zu der Affäre um Luxusreisen, von VW bezahlten Prostituierten und Tarnfirmen geäußert. In einem ausführlichen Interview mit dem Hamburger Magazin stern belastet Gebauer dabei sowohl den ehemaligen Personalvorstand Peter Hartz als auch den damaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert und weitere hochrangige VW-Mitarbeiter schwer . Hartz und Volkert waren im Zuge der Affäre zurückgetreten. Seine Aussagen hat Gebauer, die zentrale Figur in dem Skandal, eidesstattlich versichert.

    So habe Hartz das System der Begünstigung und Selbstbedienung nicht nur geduldet, sondern jahrelang auch selbst genutzt. Für Hartz habe er "häufig" Frauen besorgt, sagte Gebauer: "Meistens habe ich sie bezahlt und später über Spesen abgerechnet. Manchmal hat Hartz mir nachher was gegeben, aber nicht oft. Er wusste ja gar nicht, wie viel man dafür bezahlen muss." Von Hartz sei außerdem die Anweisung gekommen, sich insbesondere um Betriebsratschef Klaus Volkert zu kümmern und ihm "alle Wünsche zu erfüllen".

    Für Volkert und dessen brasilianische Geliebte Adriana Barros habe er auf VW-Kosten "40 bis 50 Treffen in verschiedenen Teilen der Welt" arrangiert, so Gebauer. Meistens habe Volkert zudem von ihm Geld erhalten, "damit sie flüssig waren. 10 000 Euro Minimum, bar im Umschlag." Maximal seien 15 000 Euro an Volkert gezahlt worden..

    Auch andere Manager und Betriebsräte hätten zu dem "Kreis der Eingeweihten" gehört, dem er Prostituierte zugeführt habe, sagte Gebauer. Darunter ein VW-Kollege, der lange Jahre Geschäftsführer des Betriebsrates war und heute für die SPD im Bundestag sitze. "Außerdem der Betriebsratsvorsitzende eines deutschen VW-Werkes, der auch Landtagsabgeordneter in Niedersachen und VW-Aufsichtsrat ist." Eine Reise ohne Prostituierte sei kaum mehr denkbar gewesen, so Gebauer dem stern. "Einige haben genommen, so viel sie kriegen konnten – Frauen und Geld. Die hatten nichts anderes im Kopf." – "‚Gebauer, wo bleiben die Weiber?‘: Diesen Ruf habe ich mehr als einmal gehört."

    Allerdings sei sein Job als Bindeglied zwischen Konzernleitung und Betriebsrat auch stressig gewesen: "Ich musste ja immer bereit stehen, wenn es irgendwo Probleme gab – etwa weil einer der Kollegen mit seinem Mädchen nicht zufrieden war. Dann musste ich Ersatz herbeischaffen, selbst mitten in der Nacht. Im Übrigen gab es auf diesen Reisen auch viel anderes zu organisieren, wir haben schließlich auch gearbeitet."

    Der stern hat den von Gebauer belasteten Personen die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Peter Hartz wollte die Fragen nicht beantworten. Sein Anwalt verweist auf die Privatsphäre seines Mandanten sowie pauschal auf "zahlreiche unwahre Unterstellungen". Hartz wolle im Übrigen einer anstehenden Anhörung als Zeuge bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig, die in dem VW-Skandal ermittelt, nicht vorgreifen. Klaus Volkert ließ über seinen Anwalt mitteilen, er sei "nicht bereit, sich gegenüber der Öffentlichkeit mit einzelnen Behauptungen und mindestens teilweise aus durchsichtigen Gründen gezielt gestreuten unwahren Behauptungen auseinander zu setzen." Der erwähnte niedersächsische Landtagsabgeordnete lehnte über seinen Anwalt eine Erklärung ab: "Das allerdings bedeutet nicht etwa, dass allenthalben kursierende Behauptungen zutreffen". Der Anwalt des SPD-Bundestagsabgeordneten antwortete: "Jedenfalls für unseren Mandanten hat Klaus-Joachim Gebauer nie ‚Prostituierte organisiert‘". Ex-Skoda-Vorstand Schuster beantwortete die stern-Anfrage nicht.

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