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24.08.2005 – 08:30

Gruner+Jahr, STERN

VW-Chefs Piëch und Pischetsrieder im stern: "Hartz ist eine ganz tragische Figur" – Spekulation um Bernhard als Pischetsrieder-Nachfolger

    Hamburg (ots)

Das Netz der Tarnfirmen bei Volkswagen ist nach Aussage des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch komplizierter als gedacht. Das erklärte Piëch in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern, das er gemeinsam mit dem VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder gab. Zwar sei es bei den "drei Vorgängen" Indien, Angola und der Firma F-Bel in Prag geblieben, so Pischetsrieder. "Aber anscheinend ist der Kreis der nicht zum Unternehmen gehörenden Beteiligten größer als erwartet."

    Dem früheren Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer warf der VW-Vorstandsvorsitzende vor, er habe versucht, Menschen abhängig zu machen. "Es gibt eine Reihe von Mitarbeitern, die mir sagten, von ihm Geld angeboten bekommen zu haben, es aber nicht angenommen hätten", so Pischetsrieder zum stern. Von den "Millionen Seiten" umfassenden Dokumenten sind laut Piëch bisher "noch keine zehn Prozent" überprüft worden. Von den "Lustreisen" der Betriebsräte auf Konzern-Kosten hätten sie beide nichts gewusst, so Pischetsrieder. Einen Abschlussbericht erwarten die VW-Chefs "sicher nicht vor Ende Oktober".

    Den vor sechs Wochen zurückgetretenen VW-Personalvorstand Peter Hartz nannte Piëch eine "gewaltig tragische" Figur. Als Hartz von Bundeskanzler Schröder gefragt worden sei, ob er an der Reform des Arbeitsmarktes mitarbeiten solle, hätten sie beide ihm geraten, "die Finger davon zu lassen". Piëch zum stern: "Wir wussten, dass er sich ins Unglück stürzt: Geht es gut, war es Schröder, geht es schief, war es Hartz." Dennoch hätten beide "zähneknirschend" zugestimmt.

    Zu den Meldungen von Anfang August über einen möglichen Wechsel von VW-Markenchef Wolfgang Bernhard zu Daimler-Chrysler sagte Piëch, er sei überzeugt, dass der designierte Daimler-Chrysler Konzernchef Dieter Zetsche Bernhard haben wollte. Auf die Frage, wie es ihm gelungen sei, Bernhard zu halten, sagte Piëch: "Das ist ganz einfach: Herr Bernhard hat sich ausgerechnet, dass Herr Pischetsrieder fünf Jahre älter als Herr Zetsche ist. Wenn er gute Arbeit leistet, weiß er, wo er früher dran ist."

    Piëch und Pischetsrieder verteidigten die Produktion von Luxuswagen wie den Phaeton. "Wir beide sind überzeugt, dass langfristig in Deutschland nur noch die Luxusklasse mit vernünftiger Rendite zu produzieren ist", so Piëch zum stern. "Am Phaeton haben wir gelernt, hochwertige Produkte zu entwickeln und Kunden zu adressieren, die im Premiummarkt zu Hause sind. Der Passat wäre nicht so hochwertig geworden und würde nie so akzeptiert, wenn es den Phaeton nicht gäbe", fügte Pischetsrieder hinzu. Die Entwicklung einer Limousine zwischen Passat und Phaeton sei inzwischen so weit, dass "bald entschieden werden kann".

    Auf die Frage, ob Piëch und Pischetsrieder im September auf einen Regierungswechsel hofften, erklärte Piëch: "Wir sind einig, dass wir den Trittin nicht wieder wollen. Das ist uns das Wichtigste." Pischetsrieder ergänzte: "Absolut".

Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangaben zur Veröffentlichung frei. Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion, Tel.: 040/3703-3555.

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