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24.08.2005 – 07:20

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Müntefering im stern: Ich habe dem Kanzler Neuwahlen empfohlen - SPD-Chef: Der Papst ist sozialer als die Merkel-CDU

    Hamburg (ots)

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat erstmals offenbart, dass er Gerhard Schröder nach der gescheiterten Wahl von Heide Simonis zur Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein Neuwahlen empfohlen hat. "Ich habe dem Kanzler gesagt, und das war auch seine Einschätzung, wenn nach dem Debakel von Kiel auch noch Nordrhein-Westfalen verloren gehen sollte, können wir nichts mehr bewegen", sagte Müntefering dem Hamburger Magazin stern. "Wir haben uns von Anfang an gegenseitig versprochen, entweder wir machen es beide und sind beide dafür – oder wenn einer dagegen ist, dann machen wir es nicht. Dann ist es vergessen. Das wäre auch möglich gewesen." Das persönliche Verhältnis zu Schröder beschrieb Müntefering mit dem Satz: "Wir haben unbedingtes Vertrauen zueinander."

Forderungen nach einem Strategiewechsel seiner Partei im Wahlkampf wies Müntefering strikt zurück. "Das ist nicht sinnvoll und auch nicht erforderlich." Es bleibe bei der klaren Festlegung auf Rot-Grün und den Spitzenkandidaten Gerhard Schröder. "Es gibt keinen Plan B.", so der Parteichef zum stern. Eine Ampelkoalition, die SPD-Vorstandsmitglied  Sigmar Gabriel ins Spiel gebracht hatte, schloss Müntefering kategorisch aus. "Wenn ich mir die bekannten Positionen der FDP angucke, ist das nicht vorstellbar."

Den jüngsten Aufruf des Papstes zu Frieden und sozialer Gerechtigkeit nutzte Müntefering zu Attacken auf die CDU. "Er vertritt einen sozialen Konservatismus, den ich bei der Merkel-CDU nicht finde. Wenn die katholische Kirche ein Wahlprogramm schreiben würde, käme darin mehr soziale, werteorientierte Gesellschaftspolitik vor, als das heute bei der CDU  der Fall ist", sagte Müntefering dem stern. Dagegen gebe es "große Gemeinsamkeiten zwischen der katholischen Soziallehre und der Sozialdemokratie." Das habe auch die Kapitalismusdebatte gezeigt.

Zugleich verschärfte Müntefering seine Angriffe auf die CDU-Kanzlerkandidatin und Mitglieder ihres Kompetenzteams. Angela Merkel habe nur "Zweitliga-Format", sagte er dem stern. Den als Finanzminister vorgesehenen Steuerexperten Paul Kirchhof nannte Müntefering einen "Exzentriker". Der SPD-Vorsitzende wörtlich über den früheren Verfassungsrichter: "Dass einer von der Sache was versteht, ist ja keine Garantie dafür, dass er daraus was Gutes macht. Paul Kirchhof will den armen Staat." Familienpolitisch sei Kirchhof "offensichtlich bei Schillers Glocke hängengeblieben: ,Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau…’"

Die Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion, Tel. 040/3703 3555

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