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01.12.2004 – 07:30

Gruner+Jahr, STERN

Horst Seehofer im stern: "Wer Angela Merkel unterschätzt, hat schon verloren"

    Hamburg (ots)

Der im Streit aus einem Amt geschiedene CSU-Politiker Horst Seehofer hat die Führungskraft der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel gelobt. "Was Angela Merkel für die CDU geleistet hat, ist äußerst beachtlich. Sie hat die Partei aus dem Tal geführt, Wahlen gewonnen, äußerst konsequent ihre Ziele verfolgt", sagt Seehofer im Interview mit dem Hamburger Magazin stern. "Wer Frau Merkel unterschätzt, hat schon verloren." Der Sozialexperte war vorige Woche wegen des Streits um das Gesundheitskonzept der Union als stellvertretender Fraktionschef im Bundestag zurückgetreten.

    Seehofer warnt im stern die CSU-Führung zugleich vor dem Versuch, ihn jetzt auch von seinem Amt als stellvertretender Parteichef zu verdrängen: "Wenn man mich weghaben will vom Parteivorsitz, können wir das gerne auf dem nächsten Parteitag austragen. Ich werde um mein Amt kämpfen." Noch würden in der CSU die Co-Vorsitzenden "nicht wie im Beamtenrecht vom Chef der Behörde in einem hoheitlichen Akt ernannt".

    An CSU-Chef Edmund Stoiber gerichtet stellt Seehofer fest, er könne sich auf seine Popularität in der Bevölkerung und seine Verankerung an der Parteibasis stützen: "Das wird man in diesen Tagen wahrscheinlich weder in der CSU-Landesleitung noch in der Münchner Staatskanzlei übersehen."

    Auf die Frage, ob er Stoiber nach dem Zerwürfnis im Gesundheits-Streit jemals wieder vertrauen könne, antwortet Seehofer: "Wir werden vernünftig zusammenarbeiten. Natürlich werde ich solche Erlebnisse immer im Hinterkopf haben. Das ist doch wohl klar." Die Frage müsse erlaubt sein, "ob es klug war, das Gesundheitsthema mit dieser Tiefe jetzt zu diskutieren, wo wir nicht regieren und auf diesem Feld gar nichts in Kraft setzen können. Das war sicher überflüssig."

    Eindringlich appelliert Seehofer an CDU/CSU, das Soziale nicht aus den Augen zu verlieren: "Die Union muss die Partei der kleinen Leute bleiben. Die Partei des Taxifahrers, der Verkäuferin, auch die Partei der Maskenbildnerin im ZDF-Studio. Sonst sind wir verloren." Hier gehe es um eine "Weichenstellung, die spätestens Anfang 2006, wenn wir unser Wahlprogramm verabschieden, klar sein muss." Befragt nach seiner politischen Zukunft sagt Seehofer: "Amok steht nicht an." Und: "Ich werde nicht der Oskar Lafontaine der CSU. Da müssen Sie nichts befürchten."

    Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.

Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion, Tel 040-3703-3555

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