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17.11.2004 – 08:20

Gruner+Jahr, STERN

Merkel will Deutschland mit "Fröhlichkeit" regieren
CDU-Vorsitzende äußert sich erstmals zu möglicher Kanzlerschaft

    Hamburg (ots)

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich erstmals zu ihren Plänen im Falle einer Kanzlerschaft geäußert.  Auf die Frage, wie sie Deutschland regiere, wenn sie davon träume, nannte sie in einem Interview des Magazins stern Verlässlichkeit und "eine gewisse Fröhlichkeit". Sie halte es für katastrophal, wenn der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sage, dass es mit der Union noch schlimmer werde, weil das nichts anderes heiße als: "Mit uns ist es schlimm." Frau Merkel fügte hinzu: "Der Weg, den Deutschland gehen muss, hat Eigenschaften einer Bergwanderung, es wird auch mal Muskelkater geben, aber er bringt so viel Weitsicht, so viel schöne Eindrücke, auch gemeinschaftliche Erlebnisse, dass diese Wanderung keine Qual  ist, sondern eine wunderbare Erfahrung." Auf die Frage, ob sie also keine "Blut-Schweiß-und-Tränen-Kanzlerin" werden wolle, antwortete sie: "Deutschland sollte von einem Kanzler regiert werden, der die innere Kraft ausstrahlt, dass das, was vor uns liegt, zu schaffen ist, und dass jeder Bürger den Eindruck hat: Ich kann es auch schaffen."

    Die CDU-Vorsitzende denkt offenbar daran, nach dem Vorbild von Bundespräsident Horst Köhler auch Seiteneinsteiger in ihre Regierung zu holen. "Das kann kein Grundprinzip sein", sagte sie dem stern. "Aber wenn sich Chancen ergeben, ist es schön, wenn man solche Menschen hat. Ich glaube, sehr viele gibt es davon nicht."

    Frau Merkel vermied es, ihren Anspruch auf die Kanzlerkandidatur ausdrücklich anzumelden, antwortete jedoch auf die Frage, ob der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber noch ein ernsthafter Anwärter auf das Amt sei, lediglich: "Edmund Stoiber ist CSU-Vorsitzender, und zwar ein sehr guter." Zur Frage, ob sie sich Stoiber als Superminister in ihrem Kabinett vorstellen könne, sagte sie: "Die Parteivorsitzenden treffen ihre Entscheidung immer selbstständig."

    Einen reinen Reformwahlkampf schloss die CDU-Chefin aus. Das Werben für Veränderungen müsse begleitet sein "von einer Debatte über Werte, Wurzeln".  Sie fügte hinzu: "Das reicht vom Gottesbezug in der EU-Verfassung über die Frage, was Europa ist und ob die Türkei in die EU gehört, bis hin zu den Fragen des Lebens, der Sterbehilfe und des Umgangs mit Stammzellen." Die Union wolle deutlich machen, dass es Grenzen gebe und dass man Wurzeln brauche. "Das hat mit nationaler Identität zu tun oder, um es mit den Worten des Bundespräsidenten zu sagen, mit Liebe zum Vaterland."

Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion,   Tel: 040/3703 - 3555

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