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stern: Franziska van Almsick litt jahrelang unter Ess-Störungen

    Hamburg (ots) - Schwimmstar Franziska van Almsick hat jahrelang unter schweren Ess-Störungen gelitten. Im ersten großen Gespräch nach ihrem Karriereende sagte die 26-Jährige dem Hamburger Magazin stern, begonnen habe alles Ende 1995 vor den Olympischen Spielen in Atlanta. Der enorme Druck zu siegen, straffe Schul- und Trainingspläne und das Gefühl, nur noch fremdbestimmt zu sein, hätten sie "wahnsinnig überfordert". "Alles, was ich wollte, war: mich frei machen, selbst bestimmen können. Und das Essen war mein Mittel, um über mich selbst zu bestimmen." Sie habe sich von Salzstangen "und mal einem Äpfelchen, mal auch nur ein halbes", ernährt. "Und zum Frühstück ein Bonbon." Dass sie bei einer Körpergröße von 1,80 nur 60 Kilo gewogen habe, sei von niemandem thematisiert worden. "Im Leistungssport gilt es ja, im Gegenteil!, als toll, wenn du nichts wiegst - weniger Wasserverdrängung." Im Winter 1998 habe sie sich entschlossen, professionelle Hilfe in einer Therapie zu suchen. "Das war meine Rettung". Latent sei sie zwar nach wie vor gefährdet, könne aber damit umgehen. Ihre Ess-Störungen sind ein zentrales Thema ihrer Autobiografie "Aufgetaucht", die am 30. September erscheint.

    Zu Beginn ihrer Karriere habe sie auch darunter gelitten, was mit ihrer Familie durch ihren Erfolg passiert sei. "Meine Mutter hat sich...eine Zeit lang nur noch mit ihrem Mädchennamen am Telefon gemeldet. Mein Bruder hat sich ein Pseudonym zugelegt, weil die Leute durchgedreht sind. Überlegen Sie doch mal, in jungen Jahren, mit 14, 15, überhole ich meinen Bruder, überhole ich meine Eltern, ich verdiene mehr Geld als sie. Und sehe doch, dass sie von früh bis spät arbeiten. Allein die Werbeverträge, mit denen ich kurz nach der Wende nach Hause kam. Das war mir peinlich." Sie sei froh, dass sie durch die Ess-Störungen und die Therapie die Chance gehabt habe, sich selbst zu begegnen. "Ich habe erkannt: Ich bin okay. Ich finde mich nett. Ich bin kein schlechter Mensch."

    Dass sie zum Abschluss ihrer Karriere in Athen kein Gold geholt hat, daran werde sie "bestimmt noch eine Zeit lang knabbern. Ich bin eben die Unvollendete. Ich war traurig, dass ich so viele Leute enttäuscht habe". Jetzt sei es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Sie werde ihr Wissen, ihr Talent und ihre Erfahrung an andere weitergeben und zum Jahresende eine Schwimmakademie gründen.

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