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09.09.2004 – 12:45

Gruner+Jahr, STERN

Schüler würden anders bauen

    Berlin (ots)

    9000 Schüler haben sich am Schülerwettbewerb "Baut auf uns!" von     stern, Schwäbisch Hall und dem Deutschen Kinderhilfswerk beteiligt     / Bundestagspräsident Wolfgang Thierse lobt Engagement der     Teilnehmer und zeichnet Preisträger aus

    Schüler wünschen sich bei der Gestaltung ihres Wohnumfelds großzügige Wohnzimmer, gemeinsame Gärten, Farbleitsysteme zur Orientierung in Innenstädten sowie gut ausgeleuchtete Plätze und Unterführungen. Das zeigen die Ergebnisse des Kinder- und Jugendwettbewerbs "Baut auf uns" vom stern, der Bausparkasse Schwäbisch Hall und dem Deutschen Kinderhilfswerk, an dem sich rund 9.000 Schüler mit Gruppen- und Einzelentwürfen beteiligt haben. Darüber hinaus fordern Kinder und Jugendliche mehr Natur in den Städten sowie den Umbau von Brachflächen und ehemaligen Industriegebäuden in urbane Erlebnisräume. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Schirmherr der Aktion, würdigte heute die Ergebnisse des Wettbewerbs in der Berliner Philharmonie und zeichnete die Gewinner des mit 28000 Euro dotierten Wettbewerbs aus. Von den eingereichten Arbeiten und dem Engagement der Teilnehmer zeigte sich Thierse begeistert: "Oft wird geklagt, die Jugend von heute sei desinteressiert und konsumorientiert. Doch Aktionen wie 'Baut auf uns!' zeigen, dass die Bereitschaft, sich an politischen Prozessen zu beteiligen, bei vielen jungen Menschen vorhanden ist."

    Den 1. Preis in der Kategorie für Schüler der Klassen 1-4 gewinnt die Schülerzeitung "Ratzge" der Berg-Grundschule in Heidenheim. Die Jungredakteure haben sich mit der Frage auseinander gesetzt, wie sich heruntergekommene Häuser beispielsweise in ein Malstudio und einen Naturschutzclub mit Schülerrestaurant umwandeln lassen. Ein brachliegendes Gelände soll zum Naherholungsgebiet werden. Für ihre Wohnmodelle der Zukunft wurde die 8. Realschulklasse der Valentin-Traudt-Schule in Kassel von der Jury mit dem 1. Preis in der Kategorie der Klassen 5-9 ausgezeichnet. Wie ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg in ein Jugendzentrum umgewandelt werden kann, beschreiben vier Mitglieder des Caritasverbandes Wuppertal anhand eines Konzepts samt Modell. Die vier Schüler belegten den ersten Platz in der Kategorie der Klassen 10-13. Alle Preise sind mit 1500 Euro dotiert. Den 1. Preis des zusätzlich vom Deutschen Kinderhilfswerk ausgelobten Sonderpreises für Schulgestaltung gewinnt die Joseph-von-Eichendorff-Schule in Kassel für ihr Konzept zur Sanierung der Schultoiletten. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert.

    Interesse für politische Prozesse

    "Was den Kindern und Jugendlichen an den derzeitigen Städten und Siedlungsräumen missfällt, müssen wir ernst nehmen", fordert Susanne Kessen, Bereichsleiterin Vorstandstab/Kommunikation von Schwäbisch Hall und Mitglied der "Baut auf uns!"-Jury. Eine ausgewogene Entwicklung lasse sich nur erreichen, wenn die Belange aller, Erwachsener wie Kinder, berücksichtigt würden. Deshalb seien die aus dem Wettbewerb gewonnen Erkenntnisse für die Auslober so wichtig. "Die Menschen, allen voran Kinder und Jugendliche, sind mit ihrem Wohnumfeld unzufrieden - weil die Entwicklung vieler Städte und Gemeinden praktisch an ihnen vorbeiläuft und sie kein Gehör bei den Entscheidungsträgern in der Verwaltung finden", stellt Frank Thomsen, Ressortleiter Politik und Wirtschaft des stern, fest. Deshalb sei "Baut auf uns!" als Forum und auch als Sprachrohr zu verstehen. "Junge Menschen ergreifen die Chance mitzugestalten, aber sie brauchen Unterstützung, eine Art Anschubhilfe", berichtet Dr. Heiderose Brückner, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderhilfswerks, aus ihrer täglichen Praxis.

    Der Wettbewerb zeigt eindrucksvoll, wie einfach sich das Thema Baukultur in den Unterricht integrieren lasse, sagt der Hamburger Architekturprofessor und Vorsitzende der "Baut auf uns!"-Jury Gert Kähler. "Die gebaute Umgebung beeinflusst jeden einzelnen Menschen. Deshalb muss das Thema als Teil des Bildungssystems anerkannt werden", fordert Kähler. Und die Lehrer sind offen für dieses Thema. So kennt die Hilfsbereitschaft mancher Lehrer praktisch keine Grenzen: Martin Vonhoff, Betreuer der "Ratzge"-Redakteure, hatte das Modell seiner Heidenheimer Schüler eigens zum stern nach Hamburg gefahren, um sicher zu gehen, dass es heil ankommt.

    Erstaunlich realistische Lösungsvorschläge

    Die Auslober sind von der großartigen Resonanz beeindruckt. Ziel der Aktion "Baut auf uns!" vom stern, Schwäbisch Hall und dem Deutschen Kinderhilfswerk ist es, die Wohnträume von Kindern und Jugendlichen zu erkunden.

    Fünf Wünsche tauchten in den Beiträgen immer wieder auf:

    Geselliges Wohnen: Für das Zusammenleben von Jung und Alt unter einem Dach schlagen die Kinder großzügigere Wohnzimmer oder gemeinsame Gärten vor.

    Klare Orientierung: Städte in ihrer jetzigen Form wirken auf Kinder offensichtlich einschüchternd. Mit Leitsystemen und dem Einsatz von Farbe für Kennungen lösen die Teilnehmer dieses Problem.

    Angstfreies Leben: Schlecht ausgeleuchtete Plätze, düstere Ecken und triste Unterführungen bemängeln die Kinder und Jugendlichen. Zahlreiche Entwürfe beschäftigen sich mit einer besseren Ausleuchtung und freundlicheren Gestaltung.

    Grünere Städte: Einerseits wünschen sich die meisten Teilnehmer mehr Natur in den Städten. Mit erstaunlichem Realitätssinn versuchen sie, den Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach mehr Grün und den Zwängen eines urbanen Lebens aufzulösen.

    Größere Freiheiten: Kinder wollen mehr Platz, und sie wollen ihn selbst gestalten. Standardlösungen lehnen sie ab. Deshalb spielt der Umbau von Brachflächen oder stillgelegten Fabrikgebäuden in Erlebnisräume in vielen Arbeiten die Hauptrolle.

    Um möglichst viele unterschiedliche Anregungen zu bekommen, ist die Ausschreibung sehr offen formuliert worden. Von der Bleistiftzeichnung bis zum Videobeitrag war alles erlaubt. Beteiligen konnten sich Schüler aller Jahrgänge mit Teamentwürfen oder Einzelprojekten. Die Arbeiten durften privat oder im Unterricht angefertigt werden. Aus der Vielzahl der Ideen filterte eine Jury die schönsten und kreativsten heraus. Zur gerechteren Vergleichbarkeit wurde in drei Kategorien gewertet - von der 1. bis zur 4. Klasse (Kategorie 1), von der 5. bis zur 9. (Kategorie 2) und von der 10. bis zur 13. Jahrgangsstufe (Kategorie 3). In jeder Kategorie gab es drei Hauptpreise zu gewinnen. Mit 1500 Euro wurde der 1. Preis belohnt, der 2. Preis war mit 1000 Euro dotiert und der 3. Preis mit 500 Euro. In den Kategorien 2 und 3 wurde der 3. Preis zweimal vergeben. Für die Ränge 4 bis 10 gab es Sachpreise.

    "Baut auf uns!" ist der vierte gemeinsame Wettbewerb von stern und Schwäbisch Hall. Bereits 1996 hatten beide Partner die Aktion "Wunschhäuser der Deutschen" entwickelt und zwei Jahre später das Projekt "Wohnen in der Stadt" initiiert, um Ideen und Lösungen für zeitgemäßes und familiengerechtes Wohnen aufzuzeigen. 2002 suchten der stern und Schwäbisch Hall Leitprojekte für vitale, soziale Quartiere und Stadtteilzentren.

    Die Erkenntnisse aus der Aktion sternstadt schufen die Basis für den aktuellen Wettbewerb. Als Teil der Ausstellung "Organische Architektur" sind die Siegerprojekte und ausgewählte Arbeiten bis einschließlich 8. Dezember 2004 im Foyer der Kammermusik in der Berliner Philharmonie zu sehen.

    Fotomaterial und weitere Informationen bieten     www.schwaebisch-hall.de/aktuelles und www.sternstadt-forum.de

ots Originaltext: stern
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Für Rückfragen:

Frank Plümer
Leitung stern Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
20444 Hamburg
Tel. 040/3703-3046, Fax 040/3703-5683
E-Mail: presse@stern.de

Tobias Göbbel
Schwäbisch Hall
Tel. 0791/46-2390, Fax 0791/46-40 72
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