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21.07.2004 – 07:00

Gruner+Jahr, STERN

stern und ARD: Neuer Korruptionsverdacht gegen Ludwig-Holger Pfahls

    Hamburg/Stuttgart (ots)

Im Fall des am Dienstag voriger Woche in
Paris festgenommenen Ludwig-Holger Pfahls kommt nun auch
DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp unter Druck. Wie das Hamburger
Magazin stern und die ARD berichten, soll Pfahls bereits während
seiner Tätigkeit als beamteter Rüstungsstaatssekretär einen
Beratervertrag mit der Daimer-Tochter Daimler-Benz Aerospace AG
(Dasa) gehabt haben. Schrempp war damals Vorstandsvorsitzender der
Dasa, die zu den wichtigsten Lieferanten der Bundeswehr gehörte.
Pfahls hatte bekanntlich noch während seiner Dienstzeit auf der
Hardthöhe einen Arbeitsvertrag mit seinem späteren Arbeitgeber
Daimler ausgehandelt.
    
    Wie stern, SWR-Hörfunk und das ARD-Magazin "Monitor" berichten,
gehe aus Ermittlungsakten der Augsburger Staatsanwaltschaft hervor,
dass Pfahls 1991 einen Betrag von 12030  Mark im Rahmen eines
Dasa-Beratervertrages bekommen habe. DaimlerChrysler wollte sich zu
dieser Zahlung nicht äußern. Eine Konzern-Sprecherin: "Kein
Kommentar."
    
    Am 12. Juli 1989 trafen sich - nach Angaben beteiligter Personen
gegenüber dem stern -  Vertreter des Verteidigungsministeriums unter
Führung von Staatssekretär Pfahls mit Vertretern der Industrie unter
Führung von Schrempp. Thema der Zusammenkunft auf der Hardthöhe:
Vorgaben, Stand und Kostenentwicklung des Rüstungsprojekts "Jäger
2000" (auch: "Jäger 90", heute "Eurofighter"). Wie der stern
schreibt, sollen sich Pfahls und Schrempp während der Konferenz in
einen abgeschlossenen Nebenraum zurückgezogen und Preise und
Gewährleistungsbedingungen ausgehandelt haben. Pfahls habe dabei, so
zitiert der stern damalige Beteiligte, Schrempps Vorgaben
größtenteils abgenickt und für den Bund zusätzliche Risiken des
Geschäfts in Kauf genommen - zulasten des Staates.
    
    Auch bei einem anderen Daimler-Geschäft stellt sich laut stern die
Frage, ob Pfahls den Stuttgarter Konzern bevorteilt hat. 1991 habe
Daimler 17 Mercedes-Sattelzugmaschinen nach Saudi-Arabien liefern
sollen - mit Aufliegern einer französischen Firma sollten die
Fahrzeuge zu Panzertransportern umgerüstet worden. Von dem Geschäft
habe sich der Konzern weitere Aufträge der Saudis in dreistelliger
Millionenhöhe versprochen. Gleichzeitig war die bayerische Firma Gima
von den Saudis mit der Lieferung von 200 solcher Panzertransporter
beauftragt worden. Nach nur 79 Tagen hätten die Stuttgarter die
Genehmigung für den Export bekommen, bei der Gima habe es 372 Tage
gedauert - was deren Geschäft platzen ließ. Gima-Chef Edgar Nix
glaubt, dass Daimler frühzeitig und gezielt über den Auftrag des
Konkurrenten informiert gewesen sein muss. Auch dazu wollte
DaimlerChrysler nicht Stellung nehmen.
    
    Ex-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls war seit 1999 auf der
Flucht, weil ihm die Staatsanwaltschaft Augsburg vorwirft, für die
Lieferung von 36 "Fuchs"-Panzern nach Saudi-Arabien Bestechungsgelder
in Höhe von 3,8 Millionen Mark bekommen zu haben.
    
    Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung
frei.

  
ots Originaltext: stern
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