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27.05.2003 – 11:45

Gruner+Jahr, STERN

stern: Berliner Justiz lässt Überfall auf Ströbele bis heute ungesühnt
"Keine besondere Bedeutung des Falles" - Rechtsextremist auf freiem Fuß

    Hamburg (ots)

Der gewaltsame Überfall eines mehrfach
vorbestraften Rechtsextremisten auf den grünen Bundestagsabgeordneten
Christian Ströbele im September vergangenen Jahres ist auch acht
Monate nach der Tat noch ungesühnt. Wie das Hamburger Magazin stern
in seiner neuen Ausgabe berichtet, verwies jetzt das Berliner
Landgericht den Fall mit der Begründung an das Amtsgericht, man könne
"keine besondere Bedeutung des Falles" erkennen. "Der Geschädigte
nimmt weder innerhalb seiner Partei noch der Bundesregierung eines
besonders herausgehobene Position ein." Zudem, so die Richter weiter,
"trägt die Tat selbst nicht die Züge einer rechtsextremistischen
Handlung." Bei Berliner Verfassungsschützern, die den Täter seit
Jahren im Blickfeld haben, löste die Begründung laut stern Empörung
aus. "Der Mann tickt über Gewalt", sagte ein Ermittler. Er befindet
sich jedoch auf freiem Fuß.
    
    Der 35-jährige Schlosser Bendix Wendt hatte Ströbele zwei Tage vor
der Bundestagswahl beim Verteilen von Handzetteln in
Berlin-Friedrichshain von hinten mit einer Stahlrute auf den Kopf
geschlagen, hatte ihn als "Hurensau" beschimpft und ihm eine schwere
Gehirnerschütterung zugefügt. Der Täter war kurz darauf von der
Polizei gestellt worden. Wendt gilt in der rechtsextremen Szene als
Waffen- und Sprengstoff-Experte und hat mit dem späteren
Polizistenmörder Kai Diesner in Wehrsportlagern Schießen und
Bombenbasteln geübt. 1995 wurde er zu zweieinhalb Jahren Haft
verurteilt, floh aber vor der Justiz zu Neonazis nach Skandinavien.
Als er nach zwei Jahren nach Deutschland zurückkehrte und ihn die
Polizei verhaften wollte, bedrohte er die Beamten mit einer
Maschinenpistole. Bis 1999 saß er im Gefängnis, dann verdingte er
sich als Söldner in Kroatien. Zurück in Deutschland, wurde Wendt
wieder mit Sprengstoff, Panzerfaust und Panzermine erwischt, und das
Amtsgericht Bernau verurteilte ihn zu einem Jahr und sechs Monaten
Haft auf Bewährung. Drei Monate vor Ablauf der Bewährungsfrist
überfiel er Ströbele.
  
    Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung
frei.  

    
ots Originaltext: stern
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Claudia Brand,
Tel: 040/3703-3558)

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