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22.12.2002 – 11:00

Gruner+Jahr, STERN

"Es würde mich nicht mehr geben" - Martin Walser, Autor des Romans "Tod eines Kritikers", spricht im stern über den Literaturkrach des letzten Jahres

    Hamburg (ots)

Noch vor Erscheinen des Romans "Tod eines
Kritikers" löste das neue Walser-Buch wochenlang eine heftige
Kontroverse im deutschen Feuilleton aus. In einem Interview mit dem
Hamburger Magazin stern, das in der neuen Ausgabe am morgigen Montag
erscheint, zieht der Autor ein Resümee des vergangenen Jahres und
rechnet mit seinen Kritikern ab. Es sei, so Walser zurückblickend,
"nicht ein Drecksjahr", sondern "überhaupt Dreck" gewesen.
    
    Frank Schirrmacher, der den Walser-Roman in der FAZ ein "Dokument
des Hasses" nannte, sei eine "Gefühlsniete, was mich betrifft, wenn
er glaubt, ich könnte aus Hass schreiben. Das kann ich nicht. Ich
schreibe nur über Leute, die ich liebe. Und der "Tod eines Kritikers"
ist eine unglücklich verlaufene Liebesgeschichte."
    
    "Wenn jetzt das ganze Jahr so abgelaufen wäre, dass die grellen
Inszenierungen von Herrn Schirrmacher und das noch grellere
Nachgeplapper von Frau Schmitter im "Spiegel" allgemein geworden
wären, dann hätte ich.... ich hätte das nicht mehr ausgehalten".
    
      "Es würde mich - ja, das kann ich schon sagen - nicht mehr geben,
wenn die ganze Öffentlichkeit und auch die Leser reagiert hätten, wie
Herr Schirrmacher sich wohl ausgerechnet hat. Dann wäre ich weg, wäre
wahrscheinlich nicht mehr hier. Die "FAZ" hat es nicht geschafft, und
deswegen kann ich leben", sagte Walser in stern.
    
    Zwanzig Jahre "hemmungslose" Machtausübung von Marcel
Reich-Ranicki in der Literaturszene habe sich bei ihm zum Vorwurf
ausgewachsen: "Lässt du dir wirklich alles gefallen? Bloß weil der
der Mächtigste ist in der Szene?" Mit seinem Roman habe er "eine
Prosakomödie inszeniert" und die "wirkliche Figur ins
Überlebensgroße" gesteigert. "Dankbar könnte der Herr sein."
    
    Niemals habe er bedauert, so Walser im stern, dieses Buch
geschrieben zu haben. "Das Buch hatte in mir eine angejahrte
Dringlichkeitsstufe - und nun bin ich es glücklich los. Manchmal, was
ich mit früheren Büchern nicht immer mache, nehme ich dieses Buch in
die Hand und schaue hinein und sage: Ja!Ja!Ja!"
    
    Für Rückfragen: stern-Autor Arno Luik, Tel.: 0171/53442196
    
    Achtung Redaktionen: Das Interview steht Ihnen auf Wunsch im
Wortlaut zur Verfügung.
    
    Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe stern zur
Veröffentlichung frei.
  

ots Originaltext: stern
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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Claudia Brand.
Tel.: 040/3703 - 3558

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