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16.10.2002 – 07:45

Gruner+Jahr, STERN

"Gerhard Schröder und ich mögen uns sehr"
stern-Interview mit Walter Riester über seine Erfolge und das Ende als Bundesarbeitsminister

    Hamburg (ots)

Walter Riester, der noch "mit Hochdruck" an der
Umsetzung des Hartz-Konzeptes arbeitet, "hätte gerade dieses große
Reformprojekt gern selbst" zu Ende gebracht. Das sagte der noch
amtierende Bundesarbeitsminister in einem Inter-view mit dem
Hamburger Magazin stern, in dem er sich erstmals ausführlich zu
seinem Abgang aus dem Kabinett äußerte. "Offiziell" habe er in einem
Gespräch mit dem Kanzler am Montag, den 7. Oktober von seiner
Ablösung erfahren Am gleichen Tag wurde Wolfgang Clement zum Minister
für Arbeit und Wirtschaft benannt. "Dieses Gespräch war sehr
intensiv, sehr emotional, das hatte nichts mit einem Rausschmiss zu
tun. Gerhard Schröder und ich mögen und schätzen uns sehr, daran
ändert sich auch jetzt nichts", betonte Riester. Über die Jahre zuvor
sagte Riester: "Anders als von den Medien oft kolportiert wurde,
wollte Schröder sich nie von mir trennen. Ich hatte ihm sogar schon
paar mal gesagt: Wenn ich zur Belastung für dich werde, dann lass uns
darüber reden." Der Kanzler habe ihm stets versichert: "Wenn ich mich
wirklich von dir trennen will, sage ich dir das schon selbst. Glaube
nicht, was in den Zeitungen steht. Ich nehme ihm das bis heute ab",
sagte Riester.
    
    In der Zeit als Bundesminister habe ihn am meisten "die Härte und
oft auch die Unsachlichkeit der Medien" überrascht. "Ich hatte mich
darauf eingestellt, dass es in der Bundespolitik und zumal bei meinen
Themen harsch zugeht, aber dass es derart harsch sein würde, damit
habe ich nicht gerechnet." Die Medien müssten sich fragen, "ob sie
nicht allzu sehr zur Simplifizierung neigen und in bestimmten
modischen Denkmustern verfangen sind. Riester räumte ein, dass es ihm
oft nicht gelungen  sei, die Erfolge seiner Politik richtig
darzustellen. Über seinen eigenen Stil sagte Riester: "Ich entspreche
in manchen Fragen ganz bewusst nicht dem Zeitgeist. Übrigens in
meiner ganzen Art, Politik zu machen, nicht."
    
    Seine Bilanz als Bundesarbeitsminister sei gut: "Wenn es ein
Reformministerium mit guten Leuten gibt, dann ist es dieses hier."
Angesprochen darauf, warum er künftig als einfacher
Bundestagsabgeordneter arbeiten wird, sagte Riester: "Tatsächlich
bekäme ich dank der Pensionsansprüche genausoviel Geld, wenn ich nun
in mein Ferienhaus in Kärnten führe, anstatt mein Bundestagsmandat
anzunehmen. Ich mache es trotzdem, und es soll mich deshalb wirklich
keiner bedauern. Es soll bloß auch keiner sagen: Der Riester kriegt
ja viel zu hohe Diäten. Ehrlich, dem springe ich mit dem Arsch ins
Gesicht."
    
    Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe stern  zur
Veröffentlichung frei.
    
    
ots Originaltext: stern
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Für Rückfragen: stern-Redakteur Arne Daniels, Tel. 040/3703 3517
Für den Wortlauf des Interviews: stern-Nachrichtenredaktion, Tel.
040/3703 - 3558

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