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Walter Kempowski über den Grass-Bestseller "Im Krebsgang": "Bieder und altmodisch"

      Hamburg (ots) - Der Schriftsteller Walter Kempowski findet es
"ungehörig", dass sich Günter Grass für seine Novelle "Im Krebsgang"
als "kühner Tabubrecher feiern lässt". In einem Interview mit dem
stern, das in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des
Hamburger Magazins abgedruckt ist, zeigt sich Kempowski "verblüfft
über das kurze Gedächtnis der Journalisten, die behaupten, Grass habe
ein Tor aufgestoßen".

    In "Echolot", seinem monumentalen, dreibändigen Geschichts-Panorama des zweiten Weltkriegs, beschäftige sich Kempowski auf 3000 Seiten mit Flucht und Vertreibung. "Allein der Abschnitt über die ‚Wilhelm Gustloff' umfasst mehr als 100 Seiten." In seinem neuen Buch schilderte Grass die Versenkung des mit Flüchtlingen besetzten Schiffs "Wilhelm Gustloff" nach sowjetischem Torpedobeschuss. Als "große Unverschämtheit" empfindet es Kempowski nun, wenn Grass schreibe, dass man dieses Thema nicht den Rechtsgestrickten hätte überlassen dürfen. Kempowski: "Was habe ich denn mit den Rechten zu tun? Meine ganze Arbeit zielt darauf ab, unsere Schuld aufzuzeigen."

    Darüber hinaus kritisiert Kempowski im stern-Interview die literarische Qualität des Grass-Bestsellers: Die paar Ausschnitte, die er gelesen habe, finde er "bieder und altmodisch - so, als ob die Zeit an ihm vorübergegangen ist und es Arno Schmidt nie gegeben hätte".

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