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stern: Eltern der ermordeten 12-jährigen Ulrike vor Prozessbeginn: "Für uns ist es so, dass Rike dann ein zweites Mal stirbt."

    Hamburg (ots) - Beklommen sehen die Eltern der im Februar
ermordeten 12-jährigen Ulrike Brandt dem morgen in Frankfurt/Oder
beginnenden Prozess entgegen. "Für uns ist es so, dass Rike dann ein
zweites Mal stirbt", sagt der Vater Detlef Brandt in einem
Exklusiv-Interview in der bereits am Mittwoch erscheinenden Ausgabe
des Hamburger Magazins stern. "Es wird alles hochkommen",
unterstreicht die Mutter Kerstin Brandt: "Rikes Verschwinden, die
wochenlange Suche nach ihr, der qualvolle Tod. Und das Schlimme ist:
Es bringt uns nichts mehr. Wir kriegen Rike nicht zurück." Die Mutter
wird "die gesamten zehn Verhandlungstage" im Gerichtssaal sein und
selbst als Zeugin auftreten: "Wir haben uns mit Händen und Füßen
gewehrt, doch die Anwälte haben uns erklärt, dass es wichtig ist,
Rike im Gerichtssaal noch einmal lebendig werden zu lassen."
    
    Für die Eltern kommt der Prozess zu spät. Detlef Brandt: "Uns
wurde zugesichert, dass dieser Fall in Deutschland ein Zeichen setzen
soll, auch in der Justiz. Doch dann wurde alles auf die lange Bank
geschoben." Die Mutter kritisiert vor allem, dass der Fall ihrer
Tochter abgearbeitet werde wie jeder andere auch. "So ein Prozess
muss auch mal in zwei Monaten stattfinden können. Was hier in
Deutschland fehlt, ist die Strafe auf dem Fuß." Eine angemessene
Strafe für die Tat gibt es in den Augen der Eltern nicht. "Mit
solchen so genannten kranken Tätern passiert hier in Deutschland
nichts. Er sitzt jetzt warm und trocken, erhält vielleicht sogar eine
Ausbildung, und ich habe immer noch die Sorge, dass der Kerl mit ein
paar Jahren davonkommt", sagt Kerstin Brandt.
    
    Zwei Wochen lang suchten damals über 5000 Polizisten die Umgebung
von Eberswalde nach der kleinen Ulrike ab. Am 8. März wurde ihr
Leichnam schließlich in einem Waldstück bei Werneuchen gefunden. "Wir
haben bis zum Schluss gehofft, dass die Ermittler sich geirrt haben",
sagt Kerstin Brandt dem stern. "Doch als wir sie in der
Gerichtsmedizin liegen sahen, sie berührten und in ihr wunderbar
dichtes Haar griffen, da war uns klar, dass sie es wirklich ist."
    
    
ots Originaltext: stern
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