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Al Gore im stern: "Klimawandel nie dagewesene Bewährungsprobe für unsere Demokratie" - "Mächtige Kreise verhindern Konsens"

    Hamburg (ots) - Zum Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen hat sich Friedensnobelpreisträger Al Gore für einen "nachhaltigen Kapitalismus" ausgesprochen und vor "kurzfristigem Denken" im Klimaschutz gewarnt. "Wir haben unsere Lektion immer noch nicht gelernt", sagte der frühere US-Vizepräsident in einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins stern.

    Gore fordert in dem Interview: "Letztlich muss sich das Denken der Unternehmer verändern. Wer will, dass sich nachhaltiges und langfristiges Wirtschaften durchsetzt, darf seinen Managern eben keine kurzfristigen Prämien mehr zahlen. Es ist doch ein Wahnsinn, dass man den jeweiligen Quartalszahlen selbst das opfert, was langfristig gut für ein Unternehmen ist. Energieeffizienz zum Beispiel."

    Der Klimawandel sei eine "nie dagewesene Bewährungsprobe für unsere Demokratie", sagte Gore dem stern. "Viele Wähler haben das wahre Ausmaß der Bedrohung noch nicht erkannt." Es gebe mächtige wirtschaftliche und politische Kreise, die auf "zynische Weise" einen politischen Konsens verhindern wollten. Umso wichtiger sei ein Erfolg in Kopenhagen. Reine Absichtserklärungen reichten nicht mehr aus, sagte Gore in dem stern-Interview. Spätestens im kommenden Jahr müsse ein Vertrag auf globaler Ebene erreicht werden, der einen Preis auf das gefährliche Treibhausgas Kohlendioxid erhebt - entweder durch eine CO2-Steuer oder durch CO2-Handel mit Hilfe von Zertifikaten. Er sei zuversichtlich, dass auch die USA 2010 ein Klimagesetz verabschieden würden.

    "Wir stehen vor einer Überlebensfrage", mahnte Gore. "Die Zukunft der menschlichen Zivilisation steht auf dem Spiel. Von dieser Verantwortung können wir uns nicht freisprechen." Trotz aller Rückschläge stimme ihn optimistisch, so Gore zum stern, wie groß das Verantwortungsbewusstsein der jungen Generation sei. "Das Bewusstsein für die Probleme wächst."

    Als US-Vizepräsident hatte  Gore 1997 das Kyoto-Abkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen unterstützt. Es wurde vom US-Senat allerdings einstimmig abgelehnt und nie ratifiziert. Im Jahr 2000 fehlten Gore nur wenige Hundert Stimmen zu einem Sieg in der Präsidentenwahl. Für sein Engagement für den globalen Klimaschutz erhielt der heute 61jaehrige vor zwei Jahren den Friedensnobelpreis. Sein Dokumentarfilm über die Gefahren der globalen Erwärmung gewann einen Oscar. In der kommenden Woche wird Gore in Kopenhagen erwartet.

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stern-Autorin
Katja Gloger
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