Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH

Präsenz auf allen Plattformen
Transparenz bei Zugang und Auffindbarkeit notwendig

Karlsruhe (ots) - In der Medienarena bleibt das lineare Fernsehen der Leuchtturm. Zugleich triumphieren Zuschauer und Anbieter. Lineare und non-lineare Inhalte werden zunehmend zeit- und ortsunabhängig über eine rasant wachsende Population geeigneter Endgeräte konsumiert. Allein in diesem Jahr werden in Deutschland über 50 Millionen Bildschirmgeräte verkauft. Tendenz weiter steigend, betont Michael Schidlack, Bereichsleiter für Consumer Electronics & Digital Home beim BITKOM, in seiner Keynote zur Eröffnung der TV Komm. 2014 in Karlsruhe. Den Löwenanteil daran vereinigen mobile Endgeräte wie das Smartphone mit 30 Millionen und Tablets mit 9,5 Millionen Stück auf sich. Dabei sind bereits 95 Prozent dieser Bildschirmgeräte online-fähig.

Dies hat Konsequenzen. Für Schidlack verliert das Fernsehen sein Video- und TV-Monopol. So nutzen bereits rund 40 Prozent aller Besitzer eines Tablets ihr Gerät für den Zugang zu Videos und TV-Inhalten. Zudem gewinnt das Smartphone als Universalwerkzeug bei der jüngeren Generation. Die für ihn zukunftweisenden Trends im Zusammenhang mit der Konvergenz von Fernsehen und Internet: Tablets, Smartphones und TV-Geräte werden technisch konvergieren. Die Verwertung von Inhalten dreht sich bei den Verbreitungswegen. So findet die Erstverwertung zunehmend Online statt, während die Zweitverwertung über die traditionellen Ausstrahlungswege erfolgt. Mit Bezug auf Werbung und Sehgewohnheiten sieht er den "Reverse Red Button" für den Zugang zum linearen TV kommen. War das Drücken des Red Buttons in der Vergangenheit der Einstieg zum HbbTV-Angebot, dreht sich dessen Funktion im Zugang zum linearen TV-Angebot. Bei der Vorauswahl von Programmen und Inhalten werden die sozialen Medien immer wichtiger und von Playlisten ergänzt. Zugleich werden die gewonnen Meta-Daten hochgradig wettbewerbsrelevant.

Die beschriebenen Entwicklungen bei den Endgeräten nahmen die Teilnehmer des Gipfeltalks unter der Moderation des Handelsblatt-Redakteurs Hans-Peter Siebenhaar gerne auf. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die non-lineare Nutzung von Inhalten weiter steigt. Claus Grewenig, Geschäftsführer, Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), begreift dies aus Sendersicht als große Chance, denn letztlich sei es egal, über welches Endgerät die Inhalte konsumiert werden. Die Sender seien bereits mit vielen Angeboten dabei, ihre Marke in der non-linearen Welt fest zu verankern. Die Bedeutung der Präsenz auf allen Bildschirmen unterstrichen auch Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin Discovery Communications Deutschland, und Simin Lange, Vice President Commercial Distribution Sky. So sei der Start des neuen Frauensenders TLC nicht nur im linearen TV geplant, sondern wird zudem über eigene Webseiten im Internet und über soziale Medien begleitet. Sky hingegen hat schon durch die Kombination linearer und non-linearer Angebote über skyGO reagiert.

Stephan Zech, Verlagsleiter und Geschäftsführer, Axel Springer Digital TV Guide, sieht trotz der steigenden Bedeutung der non-linearen Nutzung das Fernsehen weiter als Leuchtturm in der Medienarena. Plattformen, die lineare und non-lineare Inhalte kombinieren, müssten jedoch berücksichtigen, dass sich das Zuschauerverhalten mehrheitlich nicht ändere und eine einfache Navigation und Orientierung Grundvoraussetzung für Erfolg und Akzeptanz seien. Für Alexander Mazzara, CEO und Founder des interaktiven Jugendkanals Joiz, hat die lineare Berichterstattung gerade im Eventbereich weiterhin ihre Berechtigung. Sein Social-TV Sender sei auch technischer Vorreiter, der seine extrem interaktiven Zuschauer kenne. So sei der von Schidlack beschriebene "Reverse Red Button" in der Schweiz bereits seit drei Jahren Realität.

Ein zweiter Schwerpunkt des Gipfeltalks lag auf der Frage, ob das aktuelle Medien- und Wettbewerbsrecht überhaupt noch mit den technischen Entwicklungen mithalten kann. Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LFK), stellte fest, das sich der Markt mit hoher Geschwindigkeit in eine neue Medienwelt bewegt und die Regulierung längst hinterherläuft. Als Beispiel führte er die SmartTV Hersteller an, die zunehmend Funktionen übernehmen, die vorher Content-Anbieter und Plattformbetreiber innehatten. Dabei könnten diese den Zugang und die Auffindbarkeit von Inhalten beeinflussen. Er plädierte daher nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa für Fairness und gleiche Chancen sowie eine neue Sicht der Regulierung. Seine Forderung nach mehr Transparenz und einem vorausschauenden Wettbewerbsrecht unterstützte Grewenig. Lutz Schüler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Unitymedia KabelBW, forderte die deutsche Medienbranche auf, mehr zu wagen. Hier herrsche seitens vieler Interessenvertreter und der Wettbewerbshüter die Tendenz, Bestehendes zu bewahren. "Die Industrie wird zu Tode reguliert!" Aus seiner Sicht ist das Kartellrecht zu kleinteilig und berücksichtige nicht die internationalen Entwicklungen. So würde Amazon mit seiner Finanzkraft davor stehen, den deutschen Markt auch im Bewegtbildbereich schlicht zu überrollen. Zudem stünde der Marktstart von Netflix nach Meinung aller Teilnehmer im Herbst bevor. Gerade diese internationalen Player könnten ihre Vorteile quasi in einem unregulierten Raum ausspielen, während allseits gewünschte Kooperationen deutscher Marktteilnehmer vom Kartellamt blockiert würden.

Über die TV Komm. 2014

Die TV Komm. wird von der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK) veranstaltet und bietet bereits zum siebten Mal hochkarätige Referenten und Workshops zum Thema Bewegtbild und Kommunikation im Messe Konferenz Center der Messe Karlsruhe. Zielgruppe der TV Komm. sind Mitglieder des Vorstands und der Geschäftsführung, Führungskräfte, Top-Manager und Praktiker von Kabelnetz-, IPTV- und Satellitenbetreibern, Radio- und TV-Sendern, Medienhäusern, Produktionsfirmen, Unternehmenskommunikatoren, Vermarktern, Marketingexperten, Strategen und Beratungsunternehmen.

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