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Westdeutsche Zeitung: Keine Hoffnung für Nahost = Von Eberhard Fehre

    Düsseldorf (ots) - Wer glaubte, im Nahen Osten könne es kaum schlimmer kommen, sieht sich eines Schlechteren belehrt. Die Kettenreaktionen beiderseitiger Gewalt, die Maßlosigkeit der israelischen Strafaktion und die Sprachlosigkeit der sonst so oft bemühten "internationalen Gemeinschaft" lassen für Hoffnung keinen Raum. Der Asymmetrie der Kriegsführung entspricht die Asymmetrie unserer Wahrnehmung: Der Begriff "Terror" wird mehr und mehr zur hohlen Phrase, die eine eigene Praxis rechtfertigen soll, die selbst kaum anders zu bezeichnen ist.

    Es scheint, dass die Maßstäbe dafür, was gerechtfertigt oder verachtenswert, was legitimer Widerstand oder doch nur sinnloser Gewaltexzess ist, auf beiden Seiten verloren gegangen sind. Der Preis, wirtschaftlich und moralisch, den Israel für die Unterdrückung zu zahlen hat, übersteigt jedes erträgliche Maß. Und in den Palästinensergebieten sind die Strukturen, die verantwortliches politische Handeln garantieren könnten, völlig zusammengebrochen. Es ist die Stunde der Desperados, die - aus Kalkül oder Verzweiflung -   ihr Volk immer tiefer ins Elend stürzen.

    Die Ankündigung, die palästinensischen Minister und Abgeordneten "vor Gericht" zu stellen, soll dem beispiellosen Willkürakt ihrer Verschleppung ein fadenscheiniges Mäntelchen rechtsstaatlicher Normalität überwerfen. Die mutwillige Zerstörung der bescheidenen Reste von Infrastruktur im Gazastreifen ist militärische Machtdemonstration und politischer Offenbarungseid zugleich. Eine Lösung des Konflikts, die den berechtigten Ansprüchen beider Seiten gerecht wird, gibt es wohl nicht. Das anzuerkennen, wäre der erste Schritt zu einer Lösung. Diesem Schritt war der Nahe Osten schon einmal näher als heute. Natürlich können beide Seiten so weiter machen wie bisher. Aber zu welchem Ende?

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